Schulterblick: Langzeitbelichtung am Tag

Die Filter für die Langzeitbelichtung

Glatte Seen oder Flüsse, samtige Bäche oder weiche Wasserfälle. Effekte, ohne die man sich die Landschaftsfotografie nur schlecht vorstellen kann. Um das zu erreichen, bedarf es einer längeren Belichtungszeit. Nur wie erreicht man die am Tage? Dafür benötigt man eigentlich nur einen ND-Filter. Dieser Filter, auch Graufilter genannt, funktioniert eigentlich genauso wie eine starke Sonnenbrille. Er verringert die Lichtmenge, die ins Objektiv eindringt und verlängert somit die Belichtungszeit. Graufilter wird er genannt, weil er farbneutral (grau) ist und somit die Farben der Bilder nicht verfälscht.

Langzeitbelichtung gehören für mich zum Standard. Ich hab immer ein paar  Filter im Kamerarucksack und verwende sie auch recht häufig. Meist für Wasserfälle oder Wolken. Manchmal aber auch für ein paar andere Spielereien, wie zum Beispiel die Bäume, die sich im Wind bewegen.

Bäume im Wind Langzeitbelichtung

Es gibt diese Filter in verschiedenen Stärken für die unterschiedlichsten Einsatzzwecke. Je dunkler der Filter desto mehr Licht schluckt er.

Als Faustregel gilt: Je länger das Motiv entfernt ist oder langsamer es sich bewegt, desto länger muss die Belichtungszeit sein. Je schneller es sich bewegt oder näher es ist, desto kürzer kann die Belichtungszeit sein. Bei einem großen Wasserfall reichen oft schon 0,5 Sekunden. An einem windstillen Tag am Strand, belichte ich oft 1-2 Minuten um das Wasser glatt zu bekommen.

Norwegische Fjordlandschaft Langzeitbelichtung

Typische Bezeichnungen für einen Filter wäre z.Bsp: ND2, ND4, ND8…..ND1000. Die Zahl beschreibt den Faktor, um den sich die Verschlusszeit verlängert. Also ein ND2 verlängert die Belichtungszeit um das 2 fache, der ND4 um das 4 fache und der ND1000 und das tausendfache. Allerdings sind das nur Richtwerte. Je stärker der Filter desto größer können die Abweichungen sein. Einige Hersteller verwenden auch andere Bezeichnungen, aber auch hier gilt: Je größer die Zahl desto stärker der Filter.

Steinvikholmen, Festung in Norwegen im Fjord Langeitbelichtung

Nur wie verwendet man so einen Filter? Die Filter werden einfach vor das Objektiv geschraubt. Dabei sollte man natürlich achten, das man die richtige Größe für das jeweilige Objektiv verwendet. Dazu später mehr.

Da die Belichtungszeiten nun erheblich länger sind, und man nicht mehr freihändig Fotografieren kann, braucht man ein natürlich ein Stativ! Alternativ kann man die Kamera auch auf einem Bean Bag oder ähnlichen stabilisieren, aber mit einem Stativ ist man doch deutlich komfortabler unterwegs. Außerdem empfiehlt sich ein Fernauslöser, um Verwacklungen zu vermeiden. Wer keinen Fernauslöser hat, kann auch den Selbstauslöser der Kamera auf 2 Sekunden stellen. Allerdings kann man da nur maximal 30 Sekunden belichten!

Im Einsatz

Jetzt geht es an Fotografieren! Zuerst stellen wir die “Rauschunterdrückung bei Langzeitbelichtung” in der Kamera ein! Es ist möglich, das diese Option bei deiner Kamera etwas anders heißt. Bei dieser Funktion nimmt die Kamera, nachdem sie ein Foto aufgenommen hat, das länger als eine Sekunde belichtet wurde, ein weiteres Bild auf. Und Zwar mit der gleichen Belichtungszeit wie das eigentliche Bild. Allerdings wird dieses Bild mit geschlossenen Verschluss aufgenommen. Dieses Dunkelbild wird mit der eigentlichen Aufnahme verglichen und verrechnet. Dadurch wird das Bildrauschen deutlich reduziert. Der Nachteil ist aber, dass die Kamera die doppelte Zeit benötigt, um wieder einsatzbereit zu sein.

Langzeitbelichtung Bachlauf

Den ISO stellt man auf 100. Schließlich wollen wir ja möglichst lange Belichtungen und möglichst wenig Bildrauschen. Die  Kamera wird auf dem Stativ befestigt. Achtet darauf das dass Stativ wirklich stabil steht. Bei langen Belichtungszeiten können kleinste Vibrationen das Bild verwackeln!

Schraubt den Filter auf das Objektiv. Aber nicht zu fest, sonst kann es passieren das man den nur sehr schwer wider abschrauben kann. Jetzt noch die Kamera ausrichten fokussieren.

Beim Fokussieren kann es vor kommen das der Filter so stark ist, das die einfallende Lichtmenge nicht mehr reicht um das Bild ordentlich scharf zu stellen. In Solchen Fällen wird zuerst manuell Fokussiert, dann wird der Autofokus eingeschaltet, um zu verhindern das man den Fokus versehentlich verstellt. Erst dann wird der Filter montiert. Anschließend wieder auf manuellen Fokus wechseln und den Fokus nochmal überprüfen.

Besitzer einer Spiegelreflexkamera sollten bei längeren Verschlusszeiten den Sucher abdecken, da es sonst, durch einfallendes Licht, zu unschönen Farbstichen kommt, die sich nicht wegretuschieren lassen. Nutzer von spiegellosen  Kameras betrifft das nicht.

Wasserfall mit eis in norwegen Langzeitbelichtung

Die Verschlusszeiten zu ermitteln ist gar nicht so schwer, wie man vielleicht denkt. Bis 30 Sekunden kann man ohne zusätzliche Hilfsmittel fotografieren. Ich stelle die Kamera in den A-Modus, stelle die gewünschte Blende ein und die Kamera berechnet die Verschlusszeit. Dabei sollte man den Selbstauslöser der Kamera aus 2 Sekunden stellen! Warum? Wenn die Kamera auf einem Stativ steht, reicht die Vibration beim Betätigen des Auslösers um das ganze Bild zu verwackeln. Die Aufnahme wäre dann ruiniert. Nicht selten sieht man solche Fehler erst zu Hause am Rechner und das ist jedesmal wirklich ärgerlich.

Bei einer Belichtungszeit von mehr als 30 Sekunden  benötigt man einen Fernauslöser, da man nur mit diesem beliebig lange belichten kann. Dabei spielt es keine Rolle ob man einen Funkauslöser oder einen Drahtauslöser verwendet. Einige Modelle lassen sich sogar mit dem Smartphone steuern.

Man stellt die Kamera auf M, dem manuellen Modus. Stellt die gewünschte Blende ein und stellt die Verschlusszeit auf BULB. Nun wird so lange belichtet wie man den Auslöser gedrückt hält. Nur wie lange soll das sein?

lanzeitbelichtung wasser bach

Im Internet findet man viele Tabellen an denen man die Werte einfach ablesen kann. Allerdings haut das selten so richtig hin, da die Filter oft von einander abweichen. Man kann sich einfach mit ein paar Probebildern an die Sache heran tasten. Bei so langen Verschlusszeiten spielt es keine Rolle ob man ein paar Sekunden mehr oder weniger belichtet. Ein kurzer Blick auf das Histogramm verrät ob man richtig belichtet hat oder nicht.

Wesentlich eleganter ist allerdings die ISO6400 Regel! Es ist doch so: Wenn man den ISO erhöht verkürzt sich die Belichtungszeit. Wenn man von ISO100 auf ISO200 wechselt halbiert sich die Verschlusszeit. Bei ISO400 hat sie nur noch ein viertel und wenn man das so weiter hochrechnet hat sie nur noch 1/60 bei ISO6400. Das bedeutet in der Praxis, das man die Belichtungszeit, die man bei ISO6400 ermittelt ganz einfach auf die ISO100 übertragen kann. Nur eben nicht in Sekunden sondern in Minuten. Hat man also eine Verschlusszeit von 2 Sekunden bei ISO6400, so benötigt man eine Belichtungszeit von 2 Minuten bei ISO100.

Trondheim Fjord Norwegen Sonnenuntergang langzeitbelichtung

Am einfachsten ist es wenn man hier in den A-Modus geht und die gewünschte Blende einstellt und dann den ISO auf 6400 stellt. Die Kamera bestimmt mit welcher Verschlusszeit sie jetzt belichten würde. Diesen Wert sollte man sich merken. Danach stellt man den ISO wieder auf 100, geht in den M-Modus und stellt die selbe Blende ein, wie vorher im A-Modus. Die Belichtung stellt man auf BULB und verwendet die Zeit, die man vorher im A-Modus ermittel hat, nur eben in Minuten und nicht in Sekunden. Das klingt jetzt vermutlich alles etwas kompliziert, ist aber eigentlich ganz einfach. Man benötigt keine Hilfsmittel und wenn man das 1-2 mal gemacht hat, hat man das eigentlich schon drauf.

Filterarten

Noch etwas zu den Filtertypen und Größen. Zum einen gibt es die Schraubfilter*. Diese sind oft günstiger als die Einschubfilter. Einschubfiltern* wird eine Halterung vor dem Objektiv  befestigt, in welches der Filter eingeschoben wird. Welches System man bevorzugt hängt vom eigenen Geschmack und Geldbeutel ab. Da die Filter natürlich auch auf das Objektiv passen soll und man meist mehrere Objektive besitzt, empfiehlt es sich die Filter für das Objektiv mit dem größten Durchmesser zu kaufen.  Für die kleineren Objektive verwendet man einfach Adapter*, so genannte Step-up-Ringe. Die sind recht günstig und man braucht die Filter nicht mehrfach kaufen.

Welche Größe man benötigt steht auf den Objektiven. ⌀55, ⌀58 wären typische Bezeichnungen.

Bei den Schraubfiltern gibt es auch variable variable ND-Filter*. Diese Filter sind, wie der Name schon sagt, einstellbar. Typisch sind hier ND2 – ND400. Solche Filter sind wirklich praktisch, doch leider sind diese nur bedingt einsetzbar, da sie oft in der dunkelsten Einstellung komische Verfärbungen aufweisen. Das liegt wohl an der Bauart der Filter. Aber auch hier wird es wohl wieder Qualitätsunterschiede geben.

Apropos Qualität, ND-Filter können sehr teuer sein. Markenfilter kosten ein kleines Vermögen. Ich habe hier einige Billigfilter im Einsatz, von den ich wirklich begeistert bin. Es lohnt sich also bei den Online-Händlern die Rezession zu lesen, und ein wenig zu vergleichen.

Es gibt auch Einschubfilter aus Plastik, welcher sehr günstig sind. Meist gibt es ein ganzes Set von 10-15 verschiedenen Filtern und obendrein noch die passende Halterung, für gerade mal 20-25€. Davon sollte man die Finger lassen! Das Licht dringt ungehindert in Halterung ein, was man vielleicht noch durch abdecken verhindern könnte. Allerdings ist die Halterung so klapprig, das die Filter teilweise einfach raus fallen. Sie reflektieren auch sehr stark, was einen hässlichen matten Schleier auf den Bildern hinterlässt. Außerdem zerkratzen die Filter sehr schnell, was die Qualität auch nicht gerade verbessert. Ich habe damit kein einzigen brauchbares Bild machen können.

Langzeitbelichtung Fjord

Tipps:   

Möchte man zum Beispiel einen Bach im Wald fotografieren, benötigt man vermutlich nicht einmal einen ND-Filter, da die Blätter der Bäume schon eine Menge Licht schlucken. Vielleicht reicht es schon wenn man die Blende weiter schließt.

Bei vielen Objektiven kann man die Blende sogar bis f/32 schließen!  Nämlich dann wenn man, wenn man größte Brennweite einstellt. Einfach mal ausprobieren. Dadurch kann man die Verschlusszeiten noch mehr verlängern. Das ist zwar nur eine Notlösung, aber um ein wenig mit der Langzeitbelichtung zu spielen ist das ganz praktisch.

Auch wenn der Effekt bei solchen Langzeitbelichtungen wirklich cool aussieht, sollte man dennoch unbedingt auf den Bildaufbau achten. Bildgestaltung ist genauso wichtig, wie bei allen anderen Bildern auch.

Bei sehr langen Belichtungszeiten kann man Menschen, die sich bewegen, auf dem Bild verschwinden lassen. Das ist sehr praktisch bei stark frequentierten Plätzen.

rom Brunnen langzeitbelichtung

Ich hoffe ich konnte euch einen groben Einblick in die ND-Filter Fotografie vermitteln. Wenn ihr mehr von meinen Bildern sehen wollt schaut doch einfach mal in meiner Galerie vorbei.

Langzeitbelichtung Bachlauf im wald Norwegen

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11 Kommentare

  1. wieder super erklärt! v.a. sind die Facts zur Langzeitbelichtung auch etwas, dass sogar Geübtere noch dazulernen können 🙂
    ich muss mir dirngend angewöhnen auch einen Filter dabeizuhaben 😉

    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von liebewasist.com

  2. Hey du,
    die Fotos sind wunderschön!!!
    Ich liebe es, wenn Fotos lange belichtet werden und das Wasser so seidig erscheint!
    Sehr gut erklärt und informativ, danke!

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,
    Pauline

  3. Hey meine Liebe,

    toller Beitrag und super erklärt! Deine Bilder gefallen mir mega gut, besonders die mit den Wasserfällen!
    Toll finde ich auch deine detaillierte Erklärung zu den einzelnen Filtern!

    Sper infomativ!

    Liebe Grüße und einen schönen Sonntag euch noch!

  4. Ein Super Beitrag. Vielen lieben Dank dafür. Den werde ich mir auf jeden Fall abspeichern und alles mal in Ruhe ausprobieren. Vor einigen Jahren habe ich schon einmal angefangen, aber irgendwie ist alles wieder auf der Strecke geblieben.
    Auto.. geht halt schneller *smile*
    Da ich ja alles besitze incl. Fernbedienung und Co. fehlt nur noch die Zeit und die Umsetzung.

    LG Sabana

  5. Danke für den informativen Beitrag, der alles einfach und komprimiert erklärt. Ich fotografiere auch oft mit Langzeitbelichtungen am Tage. Aber ehrlich gesagt bin ich noch nicht darauf gekommen, Bäume so darzustellen. 🙂 Manchmal sieht man den Wald vor Bäumen nicht.

    Beste Grüsse Torsten

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