darktable: #2 Schatten aufhellen

Ein zentraler Punkt in der Fotografie ist und bleibt die Dynamik, deshalb kommt das Thema hier auch öfter auf. Immer wieder kommt es zu Bildern, bei denen entweder der Himmel zu hell ist oder der Rest zu dunkel. Klar, als Fotograf sollte man solche Situationen meistern können, aber immer geht das leider nicht. Gerade auf Reisen kann man nicht jedes mal auf besseres Licht warten, oder zu einem anderen Zeitpunkt zurück kehren. Manchmal muss man einfach mit der Situation leben oder auf ein Foto verzichten. Darktable liefert aber einige Werkzeuge, um solche Fehler zu beheben. Natürlich nur wenn man in RAW fotografiert, denn in einem Jpeg fehlen einfach die Informationen, um die dunklen Schatten aufzuhellen.

Das Bild

Das Bild entstand letztes Jahr in Berlin, auf unserer Interrail-Tour. Es ist eines der Bilder, die man mal so nebenbei macht. Mir hatte der Bildaufbau sehr gut gefallen, das tut er noch, aber das harte Gegenlicht war eben nicht so toll. Links oben sieht man sogar die Sonne. Der Rest des Bildes liegt im Schatten.  

Dunkle Schatten und flaue Farben. Das geht so gar nicht

Aufgenommen wurde das Bild mit einer Sony Alpha 33. Einer Kamera, die mittlerweile 8 Jahre alt ist. Der Dynamikumfang des Sensors kann natürlich nicht mit dem moderner High-End Geräte mithalten, auch das Rauschverhalten ist nicht mehr ganz Zeitgemäß, aber trotzdem kann noch so einiges aus dem Bild raus holen. Wenn man sich etwas mit darktable beschäftigt.

Stürzende Linien

Bevor ich mich um die Schatten und die Farbgestaltung kümmere, richte ich ein Bild erst einmal aus. Nur ganz selten kommt es vor, dass eines meiner Bilder mal wirklich gerade ist. Bei diesem Bild fallen mir sofort die stürzenden Linien auf. 

Normalerweise richte ich die Bilder mit dem Modul “Perspektivekorrektur” aus. Das funktioniert in der Regel sehr gut. Nur eben hier nicht. Die Verzerrung ist viel zu groß. Um das zu verhindern sollte man die Kamera immer gerade halten. Allerdings hätte ich dann den Fernsehturm niemals mit auf das Bild bekommen. 

 

Manchmal muss man halt mit Kompromissen leben. In diesem Fall ignoriere ich einfach die Linien und kümmere mich erstmal um andere Bildfehler.

Schärfen

Die Schärfe ist wichtig! Ist ein Bild nicht richtig scharf, wirkt es einfach nicht richtig. Ein RAW muss aber immer nachgeschärft werden. Jpegs werden schon in der Kamera geschärft und wirken somit immer etwas schärfer als unbearbeitete RAW. Da aber RAW nur Rohdaten sind, muss man hat selber Hand anlegen.

Ich schärfe eigentlich immer mit dem Hochpassfilter, denn damit werden nur die Kanten geschärft, was ein zusätzliches Bildrauschen verhindert.

Genau wie im schon im ersten Teil beschrieben, stelle ich die beiden Regler zuerst so ein, dass alle Kanten im Bild scharf abgebildet werden. Das nicht immer ganz einfach, aber mit der Zeit bekommt man den Dreh schon raus. 

Danach stelle ich Überblenden auf einheitlich, den Überblendmodus auf Harte Kanten und die Deckkraft auf etwa 50 Prozent. Mit Hilfe der Deckkraft kann man jetzt die gewünschte Schärfe ganz gut einstellen.

Die Schatten

Es gibt bei darktable verschiedene Möglichkeiten, wie man die Schatten aufhellt. Hier muss man einfach ein wenig probieren, denn jedes Bild ist anders und eine allgemein gültige Lösung habe ich bis jetzt noch nicht gefunden.

Logisch wäre es, wenn man das Modul “Schatten und Spitzlichter” verwenden würde. Denn der Name lässt schon verheißen, dass es hier um die Schatten geht. 

Allerdings kommt es bei diesem Modul sehr schnell zu Farbabrissen und ganz hässlichen Kanten. Gerade dann wenn die Schatten besonders dunkel sind.

Wesentlich effektiver scheint mir hier das Modul “globales Tonemapping” zu sein. Manchmal reicht es, wenn man das Modul einfach nur einschaltet. Hier aber habe ich aber mal wieder in die Trickkiste gegriffen. Ich habe den Operator auf filmic gestellt, die Details auf 100%, den Überblendmodus auf Bildschirm und die Deckkraft auf etwa 40 %. Da diese Einstellung auf viele meiner Bilder ganz gut passt, habe ich mir das als Voreinstellung gespeichert. Das erspart mir etwas Arbeit.

Der Vorteil dieser Methode ist, das wirklich nur die Schatten heller werden und die Übergänge zu den hellen Bereichen wirklich sauber sind.

Da mir das aber noch nicht genügt, schalte ich jetzt noch das Modul “Schatten und Spitzlichter” an. Ich belasse es aber bei der Grundeinstellung und schalte nur die Option “Weichzeichnern mit” auf den bilateralen Filter.

Damit wären die Schatten ausreichen aufgehellt. Allerdings wirkt das Bild immer noch etwas langweilig. Ein paar Knöpfe müssen deshalb noch gedreht werden.

Lokaler Kontrast

Der lokale Kontrast ist ebenfalls ein Modul, dass ich sehr häufig verwende. Man hebt damit die Microkontraste an und verstärkt somit den Schärfeeindruck des Bildes. Gerade in der Architekturfotografie sind harte Kontraste eher von Vorteil. 

Normalerweise verwende ich das Modul eher vorsichtig und begnüge mich mit den Voreinstellungen, doch bei diesem Bild habe ich schon etwas mehr als normal die Details erhöht. Zusätzlich habe ich noch die Spitzlichter reduziert und die Schatten etwas runter gezogen. 

Das sieht schon ganz ordentlich aus. Auch wenn immer noch etwas fehlt.

Die Farben

Ich mag Bilder mit kräftigen Farben, also muss hier noch kräftig nachgebessert werden. In den meisten Fällen erhöhe ich die Sättigung mit Hilfe der Farbkurve, doch diesmal verwende ich das Modul “Velvia”. Dafür gibt es keinen wirklichen Grund, sondern soll nur zeigen, dass es bei darktable nicht nur einen Weg gibt, eine Aufgabe zu lösen.

Ich musste, um die gewünschte Sättigung zu erreichen, die Stärke gewaltig erhöhen. Das Ergebnis ist aber schon einmal zufriedenstellend.

Natürlich kommt auch wieder das Modul “Farbbereiche” zum Einsatz. Damit kann ich ganz gezielt bestimmte Farben bearbeiten. 

Ich habe den Himmel etwas dunkler gemacht und noch etwas gesättigt, jetzt hab ich bessere Farbkontraste im Bild. Ausserdem habe ich das Grün von dem kleinen Vordach, im unteren Bereich des Bildes, gesättigt. Dadurch habt es sich ein wenig von den restlichen Gebäuden ab.

Das kann sich fast schon sehen lassen.

Bildrauschen

Die A-33 ist eine von den Kameras, die Darktable nicht richtig unterstützt. Zumindest gab es nie ein Rauschprofil. Die Rauschprofile sind wirklich praktisch! Im Modul “Entrauschen(Profil) wird die Kamera und der ISO-Wert erkannt und das Modul verwendet automatisch die richtigen Einstellungen. 

Die Sache ist nämlich die, beim Reduzieren des Bildrauschens wird eigentlich nur das gesamte Bild weich gezeichnet. Entrauschen klingt klingt zwar ziemlich aufregend, aber mit etwas Geschick könnte man die Aufgabe auch mit einem einfachen Weichzeichner erledigen. Vielleicht nicht im darktable, aber auf jeden Fall im Gimp. Beim Weichzeichnen verschwindet das Rauschen im Handumdrehen, aber leider verschwinden auch sehr viele Details. Deshalb ist hier Fingerspitzengefühl gefragt. 

Es gibt zwar verschiedene Ansätze, um ein Bild zu entrauschen, aber jede Methode hat den Nachteil, dass Details oder/und Schärfe verloren gehen.

Wird eine Kamera richtig unterstützt, ist die Rauschreduzierung überhaupt kein Problem. Wenn nicht muss man ein wenig improvisieren. 

Zwar ist das Bildrauschen in den dunklen Bereichen immer etwas stärker, aber das stört mich in diesem Bild weniger. Es fällt nur auf, wenn man es auf 100% vergrößert. Da ich das Bild aber nicht an die Wand hängen will, sondern es vermutlich nur in meiner Galerie veröffentliche, wird das Rauschen dort nicht auffallen. Was mich aber stört, ist der Himmel oben rechts.

Also reicht es eigentlich, wenn ich nur die blaue Farbe entrausche. Um das zu realisieren verwende ich eine parametrische Maske. Dazu schalte ich das Modul “Entrauschen (Profil) ein, das wird wie erwartet leicht unscharf, was sich besonders an der Turmkuppel zeigt. Danach wechsel ich bei Überblenden auch die parametrische Maske.

Diese Art der Maskierung ist nicht wirklich einfach zu verstehen. Ich taste mich hier selber nur heran und verwende sie deshalb auch nur ganz selten.  Die Maske dient dazu Farb- oder/und Helligkeitsbereiche zu maskieren, um sie separat bearbeiten zu können. 

Im oberen Bereich des Maskendialoges stehen die Buchstaben g,R,G,B,H,S,L. Der Buchstabe B steht für den Blauen Farbkanal. Die Pipette hilft mir hier wieder den richtigen  Farbwert zu finden, und machtees recht einfach den Himmel zu maskieren. Um zusehen, was genau gerade maskiert wurde, muss zuerst die Maske sichtbar gemacht werden. Dies erreicht man, wenn man das kleine Quadrat mit dem Kreis in der Mitte, ganz unten im Dialog in der rechten Ecke, klickt.

Der Himmel ist jetzt also einigermaßen rauschfrei, während der Rest des Bildes immer noch scharf ist und keinerlei Details verloren gingen.  

 

Chromatische Aberrationen

Sie treten immer wieder mal auf. Je nach Objektiv und Lichtsituation mal mehr und mal weniger. Man findet sie immer an Hell-Dunkel-Übergängen und man erkennt sie an einem roten, blauen oder grünen Farbsaum. So auch hier!

Schaut man sich die linke, waagerechte Dachkannte genauer an, so fällt einem sofort der rote Strich auf.

Um diesen Bildfehler zu beheben, genügt es das Modul “Chromatische Aberration“, aus der Korrekturgruppe einzuschalten. Das Modul bietet keinerlei Einstellungsmöglichkeiten, entfernt aber den Farbsaum in der Regel zuverlässig.

 

Der Rest wird gestempelt

Was mich jetzt noch stört ist die Sonne. Viel zu hell, viel zu groß und nicht wirklich schön. Deshalb wird die einfach weggestempelt. Im oberen Bereich habe ich auch noch ein paar Sensorflecken entdeckt, die werden auch gleich noch mit entfernt.

Darktable liefert mit dem Modul “Flecken Entfernen” zwar ein sehr gutes Werkzeug, um kleinere Sachen zu entfernen, aber so große Objekte wie in diesen Fall, erledige ich viel lieber mit dem Gimp. 

Dazu verwende ich im Gimp das Werkzeug Klonen. Nehme dazu einen weichen Pinsel und klone einfach andere Teile des Himmels über den Bereich mit der Sonne. Man muss dazu mehrfach ansetzen und unterschiedliche Bereiche klonen, damit man später nicht erkennt, das man am Himmel gepfuscht hat. Man bekommt aber sehr schnell ein Gefühl dafür. Wenn man die Deckkraft des Pinsels reduziert, erhält man noch viel weicher Kanten, was die Arbeit noch etwas vereinfacht.

In dem Bereich, wo der Turm und das runde Dach auf einander Treffen, erkennt man noch eine helle und nicht wirklich schöne Linie. Zoomt man in das Bild hinein, sieht man das es sich um solche Spitzen handelt, die die Tauben fernhalten sollen. Dadurch, dass sie von hinten angestrahlt werden, fallen sie an dieser Stelle erst richtig auf. Ich habe die Spitzen ebenfalls mit dem Klonwerkzeug im Gimp entfernt. 

Fertig!

Damit bin ich eigentlich auch schon fertig. Es überrascht mich jedesmal, was man aus einem RAW noch machen kann. Außerdem ist es beeindruckend, was eine so alte Kamera doch zu leisten vermag. Der einzige Grund, warum ich mir eine neue Kamera gönnte war übrigens das Bildrauschen. In alles anderen Bereichen unterscheidet sie sich gar nicht so sehr von der Neuen. Klar, die Dynamik ist besser geworden, ich kann noch mehr aus den Bildern heraus holen als vorher, aber das erwarte ich auch von einer neuen Kamera.

Das finale Bild

Worauf ich aber eigentlich hinaus will, ist die Tatsache, dass man heute selbst von den einfachsten Kameras eine ganze Menge erwarten kann. Die Kameras sind heute so leistungsfähig, dass sie selbst bei so extremen Lichtsituationen wie in diesem Beispiel,  gute Ergebnisse liefern. Deshalb rate ich auch immer wieder allen Anfängern, lernt mit eurer Kamera umzugehen und überlegt euch erst dann was ihr wirklich braucht. Denn nur durch den Kauf von neuem Spielzeug wird man nicht besser, sondern ist eher nur frustriert, wenn man dann immer noch nicht die gewünschten Bilder erhält.

Wer sich an den darktable nicht herantraut, aber eine Bild zum Bearbeiten hat dem kann ich die Bildbearbeitung anbieten!

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Wandkalender 2019 Russland oder Norwegen

 

Darktable: Die Dunkelkammer

darktable: RAW-Entwicklung #1 Abendstimmung

Schulterblick: Auf Pilzsuche Teil 1

 

6 Kommentare

  1. Das Programm ist echt cool. Bin noch auf der Suche nach einem geeignetem, wo man ohne viel Aufwand Bilder bearbeiten kann. Ich werde es mir mal anschauen, wenn es ok ist, wende ich mich an dich wenn ich Hilfe benötige. LG, Claudia 🙂

    1. Ohne viel Aufwand geht es nicht! Man könnte vielleicht ein paar Presents kaufen oder irgendwelche Instagram-Filter nutzen, aber die ergebnisse werden nie so, wie man es sich vorstellt. Bildbearbeitung muss man genauso lernen, wie das Fotografieren. Hat man sich aber mal richtig damit beschäftigt, ist man unabhängig und kann seine Bilder bearbeiten wie man will. Zu darktable kannst du ir gerne Fragen stellen. 😉

      LG Nico

  2. Wenn man ein bisschen Ahnung hat, ist das echt unglaublich was man da alles aus sonem Bild alles rausholen kann. Hut ab!
    Hatte mir das Programm ja auch runtergeladen, aber ich komm da echt nicht mit klar. Bin wohl zu Blond 😀
    Liebe Grüße,
    Tama <3

    1. Ich bin auch Blond. 😉 Wo genau liegen denn die Probleme? Darktable ist vermutlich kein Programm für Anfänger, aber ich denke es lohnt sich, sich damit ernsthaft zu beschäftigen. Andere Programme, die in dieser Liga spielen, sind nicht einfacher zu bedienen. Sie unterscheiden aber auch nicht allzu sehr von darktable. 😉

      LG Nico

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