Warum zurück nach Deutschland?-Rückkehrer antworten

Nachdem wir bekanntgegeben haben das wir zurück nach Deutschland gehen, werden wir oft gefragt warum wir das machen, oft auch unverständlich angeschaut und den einen oder anderen Kommentar gibt es dann auch schon mal. Oftmals übrigens von Menschen die Norwegen zwar vom Urlaub kennen aber noch nie länger dort gelebt haben.

Etwas zu unseren Gründen zum zurück nach Deutschland haben wir schon hier beantwortet. Da wir bei weitem nicht die Einzigen sind die nach Deutschland zurückkehren, 146000 kehrten im Jahr 2016 zurück, haben wir einfach mal bei lieben Bloggerkollegen nachgefragt, die auch wieder zurück nach Deutschland gingen.  Was ihre Gründe waren nach Deutschland zurück zu kehren.

Zuerst fragten wir Silke von Mini Globetrotter

1. Wo habt ihr denn vor der Rückkehr nach Deutschland gelebt? Und wie lange?

 
Wir haben Deutschland 2004 verlassen und sind nach Sydney, Australien gezogen. Dort haben wir 13 Jahre lang bis 2017 gelebt. Anschließend ging es noch für ein Jahr nach Andalusien

 

2. Wann seit ihr zurückgekehrt und wohin?

 
Seit Sommer 2018 sind wir wieder in Deutschland, und zwar in Berlin. Wir kommen ursprünglich aus dem Ruhrgebiet, aber vor unserer Auswanderung hatten wir bereits drei Jahre in Berlin gelebt und dort gefällt es uns immer noch am besten.

 

3.Was gefällt euch wieder zurück in Deutschland zu sein?

 
Dadurch, dass wir nach unserer langen Zeit in Australien erst noch ein Jahr in Spanien verbracht haben, gefallen uns momentan in Deutschland die simpelsten Dinge. Die Möglichkeit, seine Wünsche und Fragen auch ausdrücken zu können, zum Beispiel. Denn unser Spanisch war leider nur rudimentär, auch wenn wir daran gearbeitet haben. Das deutsche Essen war natürlich immer so ein Faktor, den wir auch in Australien nur unzureichend zufriedenstellen konnten. Ansonsten erfreue ich mich auch an Dingen wie Kindergeld, ein gutes öffentliches Nahverkehrsnetz, Isolierverglasung und Zentralheizung sowie Steckdosen, aus denen keine Funken schlagen. 
 

4. Was werdet ihr vermissen?

 
Die Möglichkeit, einen schönen Sonntag mit den Kindern am Strand in Sydney verbringen zu können, selbst im Herbst noch gegen Wellen kämpfen zu können, werde ich sicherlich irgendwann vermissen. Triple J, den australischen Radiosender, vermisse ich bereits, auch wenn man das ja heutzutage alles übers Internet bekommt. Ansonsten noch so Dinge wie Avocado auf Toast, mich auf Englisch zu unterhalten und den Australia Day draußen mit einem BBQ zu feiern. 

 

5. Was waren eure Gründe für die Rückkehr und wie reagierten eure Freunde/Bekannten und Verwandten?

 
Unser Entschluss zur Rückkehr kam aus verschiedenen Gründen zusammen. Zum einen hatten wir unser Haus verkauft und fanden kein neues, das bezahlbar gewesen wäre. In Australien ein Mieter zu sein ist nicht besonders schön. Zum anderen wollten wir einmal das Selbstständigsein ausprobieren, was in Australien aufgrund der hohen Lebenskosten nicht möglich gewesen wäre. Als Reisebloggerin sehnte ich mich danach, wieder fremde Kulturen und Geschichte zu erfahren, ohne gleich vier Langstreckentickets fürs Flugzeug bezahlen zu müssen. Letztlich wird auch die Familie nicht jünger und wir wollten wieder ein wenig näher dran wohnen. Der Zeitpunkt schien richtig, denn die Kinder waren für so einen großen Schritt in einem gutem Alter.

 

6. Habt ihr euch schon gut eingelebt und wie haben es vor allem die Kinder erlebt?

 
Unser Jahr in Spanien verlief nicht so gut, wie ich erhofft hatte. Besonders der Winter gestaltete sich schwierig, denn es wurde seht kalt, und Heizen war nicht so einfach möglich. Auch fanden wir keinen richtigen Anschluss, waren also ziemlich einsam. Die Kinder kamen zwar ganz gut klar in der Schule, lernten ein wenig Spanisch, aber der lange Schulweg, die Tatsache, dass alle andere Kinder weit verstreut lebten und die doch recht überforderten Lehrer waren nicht genau das, was wir uns für sie vorgestellt hatten. Wieder in Berlin zu sein ist seltsam familiär und doch ein wenig fremd. Berlin hat sich ja doch schon ganz schön gewandelt, und wir wohnen diesmal auch in einem völlig anderen Bezirk. Gleichzeitig kennt man sich aus, weiß, wo man was findet, kann mit Ämtern kommunizieren, erinnert sich an die eigene Schulzeit usw. Die Kinder finden es klasse, denn wir wohnen direkt neben einer Schule, und der Schultag ist auch spätestens um drei zu Ende, was für sie ein absolutes Novum ist. Ihr Deutsch ist noch nicht hundertprozentig, aber sie machen Riesenfortschritte und bekommen auch Unterstützung.
 

7. Wie sind eure weiteren Pläne?

 
Wir haben eine schöne Wohnung gefunden und möchten hier jetzt auch erstmal bleiben, mindestens bis die Kinder auf eigenen Beinen stehen. Sie brauchen ja auch Stabilität im Leben und sollen sich auf etwas verlassen können. Sollen Freundschaften aufbauen und ihre Persönlichkeit entwickeln, sich eine berufliche Laufbahn erarbeiten können. Das ist erstmal das Wichtigste. Wenn es uns dann wieder juckt, können wir auch wieder zurück nach Australien, denn wir haben die doppelte Staatsbürgerschaft. 
 

8. Was habt ihr vom Leben im Ausland für euch mitgenommen?

 
Wir haben, glaube ich, eine Menge gesehen und erlebt. Ich als Mensch habe auf jeden Fall gelernt mich mehr durchzubeißen und zu kämpfen. Ich kann mich schnell orientieren und habe gelernt, im Moment zu leben und nicht zurückzublicken. Alles andere macht doch nur unzufrieden. Ich bin dankbar, dass ich all diese Erfahrungen in Australien machen durfte und werde die Menschen nicht vergessen, die ich dort kennenlernen durfte. Die australische Kultur ist anders als die deutsche und es sind fast 50% Einwanderer oder Kinder von Einwanderern da, man kennt also die Probleme der anderen und ist demgegenüber eher aufgeschlossen. Ich kann Vergleiche ziehen zwischen beiden Ländern und sehe so einiges differenzierter. Zu guter Letzt: Für mich war das kein Leben im Ausland, sondern ein Leben in meiner anderen Heimat. Ein Teil von uns wird nach so langer Zeit immer australisch bleiben. 

 

Hier noch ein paar Infos zum Blog:

Foto: Silke www.miniglobetrotter.de
 
Silke ist Reiseblogger bei Mini Globetrotter, wo sie von Berlin und das Reisen in die weite, weite Welt berichtet. Wer mehr zu ihrem Werdegang erfahren möchte, klickt hier
 
Warum wir mit unserer Familie nach Spanien auswandern Warum wir mit unserer Familie nach Spanien auswandern
Unser Rückzug nach Deutschland Sag niemals nie – unser Rückzug nach Berlin
Tipps für den Urlaub in Australien https://miniglobetrotter.de/australien/
Viele Tipps für einen Trip nach Berlin https://miniglobetrotter.de/berlin-blog/ 

Danke  Silke fürs Rede und Antwort stehen über euer zurück nach Deutschland!

13 Jahre in Norwegen-Zurück nach Deutschland

Wandkalender 2019 Russland oder Norwegen

Norwegen von A bis Z, Buchstaben : A-K

 

9 Kommentare

  1. Ich finde das total interessant und mutig! Es war schon mutig in ein anderes Land auszuwandern, aber nach Hause zurück zu kommen finde ich mindestens genauso mutig und cool. Eine Freundin von mir sagt immer “Irgendwann kommen doch wieder alle nach Hause” und meistens hat sie recht 😉

  2. Das sind sehr interessante Punkte! Ich bin im schulalter nach Deutschland gezogen aus Polen. Vielleicht habe ich mich so gut eingedeutscht, weil ich eben noch jung waf und hier einen Freundeskreis aufbauen konnte. Früher habe ich oft darüber nachgedacht, zurück nach Polen zu gehen und war sehr oft noch dort bei Verwandten zu Besuch. Mit der Zeit wurde es immer weniger und es kommt mir mittlerweile eher als Fremde Kultur vor.
    Viele Grüße
    Wioleta von http://www.busymama.de

  3. Wow, ich ziehe meinen Hut vor Leuten die sich wirklich trauen auszuwandern. Ich selbst denke jetzt auch wieder darüber nach. Manchmal halten einen nur Kleinigkeiten an einem Ort und dann plötzlich scheint es so als würde sich der Neben verziehen.
    Aber ob ich mich wirklich drübertraue?

    Alles Liebe,
    Julia
    https://www.missfinnland.at

  4. ich kann mir bestens vorstellen, dass es am Ende die ganze einfachen Dinge sind, die man an Deutschland vermisst! ich bin zwar selber ja noch nicht ausgewandert, aber habe einige Wochen im Ausland gearbeitet und da hat mir oft soweas simples wie ein gescheites Roggenbrot gefehlt 😉

    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von liebewasist.com
    Liebe was ist auf Instagram

  5. Ich finde die Geschichten der Auswanderer sehr spannend. Unterschiedliche Familien, aus den unterschiedlichen Gründen, die den Mut haben den Schritt ins Ausland zu wagen. Den Schritt zurück zu gehen ist sicher für viele hart, aber noch mutiger. Hut ab, liebe Grüße Claudia

  6. Wirklich interessant, von AuswandererFamilien zu lesen, die sich irgendwann wieder für die Rückkehr nach Deutschland entschieden haben. Man denkt sonst immer, woanders sei das Gras grüner, aber dem ist dann eben doch nicht so. Wie immer im Leben hat jedes Ding zwei Seiten…
    Viele Grüße
    Salvia von Liebstöckelschuh

  7. Ja – kurz? Find es auch sehr autentisch, wenn man sich zur Rückkehr entscheidet. Du bist ehrlich. Weisst du WIEVIELE nur vom Auswandern berichten, OHNE zuzugeben, dass es nicht das gelbe… Wobei – bei euch hatte das ja komplett andere Gründe. Egal. Find ich jedenfalls toll. Alles Liebe!

  8. Hey, es ist ein mutiger Schritt auszuwandern und auch ein mutiger Schritt, wieder zurück zu kehren. Ich persönlich möchte nicht weg aus Deutschland und kann gut nachvollziehen, warum ihr wieder hier leben möchtet. 🙂 So oder so – ich wünsche euch alles Gute!
    Herzliche Grüße,
    Marie

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