Schulterblick: Langzeitbelichtung und Selbsportrait – Teil 1

Es sind nur noch ein paar Tage, bis zu unseren großen Umzug nach Deutschland. Es gib vieles, auf das wir uns freuen, aber auch einiges auf das wir in Zukunft verzichten werden. Eines davon sind die vielen Wasserfälle und Flüsse hier in Norwegen. Ich versuche die Tage noch einmal richtig auszunutzen und fotografiere deshalb ganz bewusst die norwegische Landschaft. Wasserfälle haben für viele Menschen eine magische Anziehungskraft, bei mir verstärkt es den Drang zur Langzeitbelichtung. Ein Graufilter gehört bei mir zur Standardausrüstung und gerade wenn es um Aufnahmen am Wasser geht versuche ich möglichst lange zu belichten.

Heute morgen kam mir die Idee, mich mal wieder selber vor einem Wasserfall bei langer Belichtungszeit abzulichten. Ich hatte das schon einmal gemacht, war aber mit dem Ergebnis nicht so ganz zufrieden und hatte noch ein paar Ideen, wie ich es besser machen könnte.

Der Wasserfall ist nur eine halbe Stunde von hier entfernt und eine gutes Ausflugsziel für einen Sonntag Nachmittag. Zum Glück wusste ich nichts von den vereisten Strassen, sonst wäre ich vermutlich gar nicht gefahren.

Die Idee

Nicht selten fahre ich einfach los und suche nach Motiven. Meist weiß ich zwar ungefähr was ich vorhabe, aber nicht selten hab ich einfach nur ein paar Objektive, ein paar Filter und ein Stativ dabei und lasse mich einfach überraschen.

Der Wasserfall ist ein beliebtes Motiv bei vielen Fotografen.

Diesmal jedoch hatte ich mein Foto schon deutlich vor Augen. Ich wollte mich selber fotografieren und zwar vor dem Wasserfall. Ich wollte das das Wasser diesen typischen weich gezeichneten Effekt aufweist, wie man es aus der Langzeitbelichtung kennt. Dabei sollte aber das Hauptmotiv, also ich, knackscharf sein (falls Fragen aufkommen: hier geht es gerade um den Fokus). Mit der richtigen Bearbeitung kann das wirklich spannend aussehen.

Die Ausrüstung

Man benötigt eigentlich gar nicht so viel Kram, um solche Bilder zu realisieren. Neben der Kamera ist ein Stativ unabdingbar. Wer hier öfter mit liest hat bestimmt schon gemerkt, dass ein Stativ eine wirklich gut Investition ist.

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Dann benötigt man noch ein paar Filter. Ein ND-Filter ist praktisch doch wie stark der sein sollt hängt aber von den Lichtverhältnissen vor Ort und der Geschwindigkeit des Wasserfalls ab. Einen Wasserfall braucht man gar nicht so lange zu belichten, wie zum Beispiel einen See. Ist die Belichtungszeit zu lang, wirkt das Wasser schon fast zu glatt. Es sieht oft besser aus, wenn man noch ein paar Strukturen erkennen kann. Die meisten Wasserfälle liegen irgendwo im Wald,der Berg, von dem sie fallen, wirft einen tiefen Schatten. Da benötigt man in der Regel keinen sehr starken Filter. Eine Belichtungszeit von maximal 1-2 Sekunden ist in der Regel ausreichend. Ein ND 2,4 oder 8 ist oft ausreichend. Für die Bilder hatte ich nur einen Pol-Filter verwendet, der schluckte genügend Licht für mein Vorhaben.

 

Außerdem ist ein Fernauslöser sehr praktisch, zumindest wenn man alleine ist. es geht natürlich auch mit dem Selbstauslöser der Kamera, doch hat man maximal zehn Sekunden nach dem Auslösen um sich in Position zu bringen. Wenn wie ich heute über glitschige Steine klettern muss, ist das fast unmöglich und kann sogar gefährlich werden. Deshalb verwendet man lieber einen Funkauslöser.

Als Objektiv kam mein 50-200 Teleobjektiv zum Einsatz. Grosse Wasserfälle spritzen sehr viel, in unmittelbarer Nähe fliegen sehr viele kleine Wassertropfen umher, die sich dann auch auf der Frontlinse absetzen. Um nicht ständig die Linse putzen zu müssen ist es besser etwas Abstand zu halten. Das geht besser mit einem Teleobjektiv.

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Die Umsetzung

Jetzt geht es ans Fotografieren. Ich hatte das Glück, dass ich einen Assistenten dabei hatte. Ich lies einfach eines meiner Kinder aus dem Rucksack und es durfte mir ein wenig helfen. 

Zuerst muss man natürlich einen geeigneten Platz finden. Dazu kletterten wir zum Fusse des Wasserfalls, was gar nicht so einfach war. In diesem Jahr wurde endlich ein richtiger Steg angelegt. Doch erwies sich der Pfad, bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt, als extrem Glatt. Also war mal wieder klettern angesagt.

Hat man eine geeignete Stelle gefunden, wird auch gleich das Stativ aufgebaut. Ich hielt genügend Abstand zum Spritzwasser, was bei einem 40 Meter hohen Wasserfall gar nicht so einfach ist. Natürlich brauchte ich noch eine Stelle, wo ich mich positionieren konnte. Ich wählte einen großen flachen Stein, das so dicht wie möglich am Wasser lag. Aber nicht zu dicht, ich wollte nicht ja nicht nass werden.

Jetzt kann man direkt fokussieren. Am besten verzichtet man hier auf den Autofokus, denn wenn man mit dem Fernauslöser vor der Kamera steht, kann man den Fokus natürlich nicht überprüfen. Um die richtige Ebene scharf zu stellen, platzierte ich einfach meine Assistentin auf dem Stein und konnte so in aller Ruhe scharf stellen. Wenn ich alleine bin lege ich einfach meinen Rucksack auf die Stelle, wo ich später stehen werde.    

Ist alles eingerichtet, kann man endlich los legen. Es gibt zwei Methoden, wie man jetzt vorgehen kann. Entweder man steht während der Aufnahme ganz still und versucht sich möglichst nicht zu bewegen. Das ist etwas schwierig, aber machbar. Oder aber man macht zwei Aufnahmen. Eine Langzeitbelichtung ohne Model und eine mit einer kurzen Belichtungszeit und dem Model. Später am Rechner wird einfach das Model in die Langzeitbelichtung platziert. Ich entschied mich für die erste Methode, das sie einfach weniger Arbeit macht, auch wenn das Risiko besteht, dass das Model nicht zu hundert Prozent scharf wird. Bei meinem ersten Versuch belichtete ich mit 25 Sekunden. Ich nutzte den Selbstauslöser der Kamera, begab mich schnell in Position und stand dann mehr als 30 Sekunden lang still. Im Kopf zählt ich die Sekunden, da ich nicht wissen konnte, wann die fertig sein wird. Das war anstrengend, aber die Schärfe war zufriedenstellend.

Mein erster Selbstversuch bei einer Belichtungszeit von 25 Sekunden.

Die heutigen Bilder belichtete ich mit 0,8 – 2 Sekunden, mit etwas Konzentration kann man so lange still stehen. Außerdem hatte ich ja noch meine Assistentin dabei, damit war es noch etwas einfacher. Allerdings stand ich ja mit dem mit dem Rücken zu ihr und durch das Tosen des Wasserfalls war eine Kommunikation nur eingeschränkt möglich. Das Problem lösten wir aber ganz elegant mit Handzeichen. Sie hielt den Kabelauslöser in der Hand wartete auf mein Zeichen. Ich hob meinen Zeigefinger, wenn sich sich bereit machen sollte. Nahm ich den Finger runter sollte sie bis drei zählen und dann auslösen. Das verschaffte mir genügend Zeit um mich richtig hinzustellen und noch einmal durchzuatmen. Es funktionierte hervorragend. Kein Stress, kein Rumbrüllen  oder sonstige Probleme, sie machte in der Zeit sogar mehrere Bilder, von denen ich mir später die Besten heraussuchen konnte.

Wäre ich allein gewesen, hätte ich einen Funkauslöser verwenden müssen. Ich hätte zusätzlich in der Kamera noch den Selbstauslöser auf 2 besser noch auf 10 Sekunden eingestellt. Dadurch hätte ich Zeit gehabt, den Funkauslöser schnell zu verstauen und mich richtig hinzustellen. Muss ja keiner auf dem Bild später sehen, welche Knöpfe man so in der Hand hat.

Fertig

Das Bild war recht schnell im Kasten. Wir hatten noch ein paar weiter Aufnahmen gemacht, hatten noch ein wenig mit den Belichtungszeiten gespielt und hatten auch noch an ein paar anderen Stellen fotografiert. Trotz der ganzen Kletterei.

Wenn ihr mal an einen Wasserfall kommt, probiert das unbedingt mal aus. Solche Aufnahmen machen wirklich Spaß. Man benötigt nur sehr wenig Ausrüstung und erhält mal eben wirklich interessante Bilder. Die Kamera steht hier viel weniger im Vordergrund und man konzentriert sich viel mehr auf das Bild selber. Normalerweise schaut man durch den Sucher der Kamera und richtet sich das Bild so ein, wie man es haben möchte. Hier wird man plötzlich selbst ein Teil des Bildes und kann es so viel aktiver mitgestalten. Aus fotografischer Sicht eine wirklich tolle Erfahrung.

Im zweiten Teil werde ich wieder eines der Bilder mit darktable bearbeiten.

Habt ihr auch schon einmal Langzeitbelichtungen am Wassserfall ausprobiert?

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Die Ausrüstung

 

9 Kommentare

  1. Die Fotos sind wirklich toll geworden. Ich habe mir erst heuer eine richtige Kamera gekauft, bin quasi noch ein Hobbyfotograf. Aber es macht riesigen Spass und ab und zu gelingen mir für meinen Blog ja doch gute Fotos. Ich wünsche euch gutes Gelingen beim Umzug. Liebe Grüße, Claudia

  2. Ich würde so gerne mal eine richtig schöne Langzeitbelichtungsaufnahme machen.
    Aber bei meiner Kamera kann ich das nicht manuell einstellen. Leider ist das so ein Einsteigermodell, in dem das automatisch eingestellt wird. Diese Tipps werde ich mir aber merken. Ich spiele eh mit dem Gedanken, mir eine neue Kamera zuzulegen, mal schauen!

    Liebe Grüße aus Oldenburg 🙂
    Michelle

  3. Ich bewundere es wirklich, wie solche Bilder zu Stande kommen! Die ganzen Techniken und Kniffe sind mir wohl doch einfach zu hoch, egal was ich ausprobiere, meist gebe ich entnervt auf. Das soll sich aber bald ändern, da learning by googeling bei mir nichts bringt, habe ich mir zu Weihnachten meinen ersten Fotokurs gewünscht und hoffe ihn ermöglicht zu bekommen! Vielleicht hört dann auch das Schmachten auf und ich kann endlich mitreden!
    Jedenfalls sind das wieder wunderschöne Bilder, gerade wie das Wasser am Flussbett rüber kommt, solche Fotos würde ich auch so gerne realisieren können! Hut ab! 🙂

    Liebe Grüße
    Sarah

    1. Viel Spaß bei dem Kurs. Fotografie lernen braucht einfach Zeit. Man muss am Ball bleiben und immer wieder üben. Mit der Zeit werden die Bilder dann auch besser.;-)

      LG Nico

  4. Die Fotos sehen super aus und fangen eine richtig tolle Stimmung ein! Wasserfälle haben so etwas entspannendes und trotzdem extrem lebhaftes. Deine Tipps sind natürlich auch sehr hilfreich, gerade wenn man wie ich, kaum Ahnung von Fotografie hat.

  5. Ich selbst bin leidenschaftliche Fotografin und die Langzeitbelichtung eröffnet eine geheime Welt finde ich. Ich hab es schon mal probiert, aber nicht in Kombination mit mir vor der Kamera. Das finde ich spannend. Es ist aber bestimmt auch sehr schwierig, solange still zu halten oder?

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