Schulterblick: Feuerwerk fotografieren

Bald ist es wieder soweit. Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen und endet wie jedes Jahr mit einem riesen Fest und einer Menge Feuerwerk. Eigentlich will man an so einem Abend lieber mit der Familie oder den Freunden verbringen, aber irgendwie reizt es ja doch einmal so ein Feuerwerk zu fotografieren. Wie man das anstellt, ist eigentlich gar nicht so schwer.

Die Ausrüstung

Man braucht gar nicht mal so viel, um ein Feuerwerk richtig abzulichten. Eine Kamera, die man manuell einstellen kann und ein Stativ. Mehr nicht! Ein Fernauslöser ist auch nicht verkehrt, wenn man ihn dabei hat, ist aber nicht unbedingt erforderlich. Als Objektiv empfiehlt sich etwas Weitwinkliges. Das Kit-Objektiv mit 18-55 mm ist hier absolut ausreichend zum Feuerwerk fotografieren.

Die Kameraeinstellungen 

Blende f8.0 /ISO100  /4-20″ So ungefähr sollte die Kamera eingestellt werden. Wer hier öfter liest, sollte sich jetzt wundern, warum ich diesmal so genaue Angaben mache. Normalerweise macht es auch keinen Sinn, da man die Kamera immer nach der Lichtsituation vor Ort einstellen sollte und nicht nach irgendwelchen Empfehlungen. Doch bei Fotografieren von Feuerwerken ist die Situation recht ähnlich.

Wir wollen eine möglichst große Tiefenschärfe, deshalb wählen wir eine Blende um die F/8-11. Den ISO-Wert stellen wir auf 100, um das Bildrauschen möglichst gering zu halten. Die Verschlusszeit richtet sich nach dem Umgebungslicht. In der Stadt reicht vermutlich eine kürzere Belichtungszeit als auf dem Lande. Hier muss man einfach ein wenig probieren. Es sollte reichen, wenn man die Kamera in den A-Modus stellt und die Verschlusszeit automatisch berechnen lässt. Wenn nicht, muss man halt den manuellen Modus verwenden. Ein paar Testbilder bringen hier mehr Licht uns Dunkle.

Den Fokus sollte man Manuell einstellen, denn der Autofokus hat oft Probleme bei Dunkelheit.

Wer in RAW fotografiert braucht sich um den Weißabgleich mal wieder keine Gedanken machen. Der Rest kann sich so um die 4000 Kelvin orientieren. Nachts die richtigen Farben zu finden ist nicht immer einfach., da das Licht der Umgebung stark variieren kann.

Und dann geht es auch schon los

Die grösste Herausforderung besteht darin, einen geeigneten Platz zu finden. Er sollte einen spannendes Motiv bieten und natürlich sollten dort auch ein paar Raketen zu sehen sein. Leider weiß man meist nicht, wo und wann ein Feuerwerk am Himmel explodiert. Da hilf nur eins: viele Bilder machen und hoffen. In der Regel gibt es aber kurz nach Mitternacht überall sehr viel Raketen zu sehen, so das keine Problem sein sollte gute Bilder zu bekommen.  

Hat man einen geeigneten Platz gefunden, stellt man das Stativ auf und richtet die Kamera ein. ISO 100, mittlere Blende, Belichtungszeit von 4-20 Sekunden eventuell im  A-Modus. Das kann man aber auch schon vor her, zum Beispiel zu Hause einstellen. Dann braucht man nicht im Dunkeln und mit kalten Fingern an den Knöpfen rum fummeln. Dann einfach ein paar Bilder machen und die Belichtung kontrollieren.

Fokussieren natürlich nicht vergessen. Man kann natürlich nicht auf das Feuerwerk fokussieren. Zum einen, weil es viel zu schnell wieder verschwunden ist und zum anderen, weil man gar nicht weiß wo das nächste zu sehen sein wird. Deshalb fokussiert man entweder auf Unendlich, man stellt also den Fokusring am Objektiv auf die umgekippte Acht, oder, falls vorhanden, fokussiert man einfach auf eines der Gebäude oder was sich sonst noch so im Bild befindet. Die meisten Kit-Objektive haben keine Skala zum Fokussieren und somit kein Symbol für unendlich. Hier muss man dann auf Objekt im Bildausschnitt fokussieren, am besten etwas, dass etwas weiter entfernt ist.

Jetzt braucht man nur noch auslösen und hoffen, dass man einen schönen Feuerball erwischt. Deshalb macht man hier auch viele Bilder hintereinander. Es ist einfach Glückssache und man weiß vor dem Auslösen nicht was passieren wird. Wer faul ist könnte auch im Intervall alle paar Sekunden ein Bild machen, dann kann man neben bei noch etwas feiern, dazu benötigt man aber einen Fernauslöser mit Intervall-Funktion. Wer keinen hat, sollte den Selbstauslöser der Kamera auf 2 Sekunden stellen, denn durch das Drücken des Auslöseknopfes der Kamera kann das Bild leicht verwackeln, was unscharfe Bilder zur Folge hätte.

Feuerwerk fotografieren macht echt Spaß. Es ist ein wenig wie Jagen (vermute ich mal, da ich noch nie Jagen war). Ist einmal alles eingestellt, was hier wirklich nicht kompliziert ist, braucht man nur noch abdrücken. Da Feuerwerke wirklich toll aussehen, bekommt man so auf jeden Fall ein paar Bilder, die man am nächsten Morgen auf Facebook teilen kann.

Ich werde dieses Jahr ganz sicher Feuerwerk fotografieren  in Görlitz, es sei denn das Wetter ist wirklich schlecht und es gibt nur Regen und Wind, und werde sie am 1.1.2019 auf unserer Facebook-Seite teilen. Wer Lust hat kann gerne seine/ihre Feuerwerksbilder in den Kommentaren posten und auch gerne berichten, wie es gelaufen ist.

Viel Spaß beim  Feuerwerk fotografieren!

Die Bilder

Die Bilder zu dem Beitrag entstanden alle letztes Jahr in unserem Vorgarten. Der selbe Vorgarten übrigens wo ich neulich die Nordlichter fotografierte. Ich war wirklich überrascht, wie einfach es war, die abstrakten Feuerbälle scharf abzulichten. Ich kann mich noch gut an die Silvester in Deutschland erinnern. Den ganzen Abend steigen Raketen in den Himmel und exakt zu Mitternacht scheint der Himmel zu brennen. Hier in Norwegen läuft das ein wenig anders. Den ganzen Abend herrscht weitestgehend Ruhe. Erst zehn Minuten vor Mitternacht zünden die Leute ihre Feuerwerke an und schon kurz nach Mitternacht kehrt recht schnell wieder Ruhe ein. Ich weiß, dass viele Menschen das auch in Deutschland begrüssen würden, aber zum fotografieren ist das doch ein sehr kleines Zeitfenster. 

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Schulterblick: Mit der Kamera durch Sibirien

 

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5 Kommentare

  1. Das sind ja wirklich super Tipps! Ich hab schon ein paar Mal versucht, ein Feuerwerk zu fotografieren – bisher immer komplett (!) ohne Erfolg, sodass ichs wieder aufgegeben habe… Aber heuer geb ich dem Ganzen gerne nochmals eine Chance 🙂

    Alles Liebe, Katii

  2. Das ist eine wirkluch hilfreiche Anleitung! Allerdings werde ich sehr wahrscheinlich keine Gelegenheit bekommen tolle Fotos zu machen. Im Ort sieht man nix und den Weinberg hoch mag ich nicht laufen. Es ist meistrns kalt und nass und sehr neblig hier…

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