Schulterblick: Fotografieren bei Schmuddelwetter

Also irgendwie nervt es doch schon gewaltig: man hat Zeit und Lust zum Fotografieren, man hat ein paar spannende Ideen, die man umsetzen will, doch das Wetter macht einem mal wieder einen Strich durch die Rechnung. Es nieselt, es regnet, es schneit und obendrein weht noch ein beißender Wind. Bei so einem Schmuddelwetter bleibt man doch lieber zuhause und macht es sich mit einem Glas Wein gemütlich.

Schmuddelwetter am Trondheimfjord

Das Schlimmste sind die nassen, kalten Hände, die irgendwann auch noch weh tun. Klar, man könnte Handschuhe anziehen, aber das ist irgendwie auch uncool und außerdem kann man damit die Kamera schlechter bedienen. Kalter Regen und Wind machen die Sache auch nicht unbedingt besser. Die Kamera wird nass, das Objektiv beschlägt, viel zu dunkel scheint es auch die ganze Zeit zu sein und alles wirkt irgendwie nur noch grau und langweilig. Also eigentlich kein richtiges Fotowetter!

Eigentlich! Denn dieses Wetter bietet eine ganze Menge Vorteile. Im Sommer haben wir meist tolle Farben, ein schönes Licht und einen blauen Himmel. Alles wirkt ein wenig gefälliger und freundlicher, doch wir haben sehr oft mit den Schatten zu kämpfen. Die Tageszeit spielt oft eine große Rolle, wenn wir verhindern wollen, dass wichtige Elemente im Bild komplett im Schatten versinken. Die Kontraste sind oft so groß, dass schattige Bereiche komplett im dunkeln liegen und selbst in der Bearbeitung kaum ausreichend aufgehellt werden können. Gerade wenn man in Städten fotografiert, ist das ein Problem. 

Bei schlechten Wetter haben wir dieses Problem eher weniger. In der Regel haben wir dann ein sehr weiches und ausgewogenes Licht und keine harten Kontraste. Das erlaubt es uns viel mehr Details wahrzunehmen. Die Bilder wirken dadurch oftmals viel ausgeglichener und harmonischer.  Man kann aber auch recht einfach düstere und dramatische Bilder erstellen, was bei schönen Wetter eigentlich nicht möglich ist.

Das wenige Licht zwingt uns dazu, die Blende viel weiter zu öffnen, dadurch haben wir leider eine viel geringere Tiefenschärfe. Das macht aber nichts, weil man ja auch mal mit der Unschärfe spielen kann. Dadurch ergeben sich oft spannende Motive.

Das Finstertor in Görlitz bei Schneefall

Wenn man Glück hat entdeckt man sogar noch ein paar Pfützen und kann mit Spiegelung spielen, oder man fotografiert Regentropfen oder spritzendes Wasser. Motive findet man bei schlechten Wetter zur Genüge, man muss sich nur aufrappeln.

Wie gehe ich vor?

Zugegeben, bei so richtig schlechten Wetter geh ich auch nicht raus. Da hab ich viel zu viel Angst, dass die Kamera Schaden nimmt. Die sollen zwar eine ganze Menge aushalten können, aber bin ich lieber etwas vorsichtiger. 

Kleine Details am Gemäuer können sehr reizvoll sein.

Leichter Nieselregen ist aber für mich eigentlich kein Problem. Die Kamera verstaue ich unter meiner Jacke, wenn ich sie gerade nicht brauche, das hält sie trocken, auch wenn es komisch aussieht. Bei schlechten Wetter nehme ich auf kurzen Touren kein weiteres Wechselobjektiv mit, weil ich verhindern will, dass eventuell Feuchtigkeit beim Wechsel in die Kamera eindringt. Das wäre wirklich fatal.

Bei Schmuddelwetter kann man auch auf Friedhöfen fotografieren. Das ist aber bestimmt nicht jedermanns Sache

Auf ein Stativ verzichte ich meistens wenn es regnet. Einerseits aus Bequemlichkeit, denn bei Schmuddelwetter macht es doch keinen Spaß ewig lange an Kamera und Stativ rum zu fummeln. Anderseits möchte ich auch nicht, dass die Kamera unnötig lange dem schlechten Wetter ausgesetzt ist. Bilder die von einem Stativ aufgenommen wurden, sind zwar oft etwas rauschärmer und schärfer, aber es braucht schon etwas Zeit, bis alles richtig eingestellt ist. Nicht selten ist dann die Linse nass und das ist wirklich ärgerlich.

Sommeregen in Berlin Fridrichshain

Also fotografiere ich aus der Hand heraus. Durch die schlechte Lichtsituation ist es nötig den ISO-Wert zu erhöhen. Weil ich nicht bei jedem Foto den Wert neu einstellen will, verlasse ich mich hier einfach auf die ISO-Automatik. Das erleichtert die Arbeit ganz gewaltig.

Inas Handy-Knipserei bei starken Regen in Ulan-Ude.

Meist fotografiere ich im A-Modus. ich könnte auch im M-Modus knipsen, bin es aber gewohnt, dass die Kamera die Belichtungszeit selber bestimmt. Gelegentlich justiere ich mit der Belichtungskorrektur noch etwas nach. Im A-Modus stelle ich nur die Blende nach Bedarf ein. Möchte ich einen unscharfen Hintergrund, öffne ich die Blende so weit wie möglich und möchte ich eine möglichst große Tiefenschärfe, schließe ich die Blende auf etwa f/8-11. Die Kamera stellt die Verschlusszeit, wenn möglich, so ein, dass man noch bequem aus der Hand heraus fotografieren kann. In Kombination mit der ISO-Automatik funktioniert das in der Regel auch sehr gut.  

Pfützen bieten meistens ein interessantes Motiv.

Ich reduziere also die Arbeit auf ein Minimum. Keine zusätzlichen Objektive, keine Filter oder sonstiger Hokuspokus. Das schränkt mich zwar etwas ein, zwingt mich aber auch einmal ganz anders an ein Motiv heranzugehen. Viele Motive entdeckt oft erst, wenn man die Arbeitsweise ändert oder seinen Wohlfühlbereich einmal  verlässt. Man muss sich nur gelegentlich mal zwingen das Haus zu verlassen.

 

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