Fallstricke und Fettnäpfchen in Norwegen

Norwegen Fjordaussicht zurück nach Deutschland Fettnäpfchen in Norwegen

In den 13 Jahren die wir in Norwegen gelebt haben sind wir in so manches Fettnäpfchen getreten und über so einige Fallstricke gestolpert. Denn so ähnlich die beiden Länder auch sind, gibt es genug Unterschiede zwischen den beiden Ländern und damit du bei deinem nächsten Urlaub oder bei deiner Auswanderung nicht in allzu viele Fettnäpfchen in Norwegen trittst, haben wir hier mal einige für dich zusammengefasst.

Fettnäpfchen in der norwegischen Sprache

Gerade da sich die zwei Sprachen sehr ähneln, sie kommen beide aus der germanischen Sprachfamilie, denken sich viele Deutsche auch, das ist doch alles ganz einfach, das klingt oder sieht doch aus wie im Deutschen. Tja und da kann man dann auch in so manches Fettnäpfchen in Norwegen treten. Denn dem ist nicht so und vieles was ähnlich klingt, bedeutet was ganz anderes.

Die Ansprache

Heutzutage wird sich in Norwegen, wie in ganz Skandinavien, geduzt, ob der Polizist oder der Nachbar nebenan, nur für die Königsfamilie macht man eine Ausnahme und siezt sie weiterhin.

Dabei ist es wichtig das man das Du, wie Dü ausspricht, denn spricht man das Du wie im Deutschen ausspricht, hat man ein norwegisches Klo, denn das heißt do.

Namen

Nationalfeiertag Norwegen 17.5.

Manchmal können norwegische Vornamen für Verwirrung sorgen, denn einige Namen wie Inge oder Gerd bedeuten Namen für das andere Geschlecht. Sprich Inge ist ein Männername in Norwegen und Gerd ist ein Frauenname.

Wörter die im Norwegischen was ganz Anderes bedeuten

Es gibt da so einige Wörter die werden wie im Deutschen geschrieben, aber ihre Bedeutung ist eine ganz andere und die sind dann oftmals Fallstricke, einige Beispiele:

Norwegisch Deutsch

  • bier Bienen
  • flott toll
  • gammel alt
  • kinn Wange
  • kiste Sarg
  • sau Schaf
  • puppe Brust
  • pute Kissen
  • rente Zinsen

Und das Wort vorspiel hat auch keinerlei Bezug zu sexuellen Aktivitäten, sondern bedeutet das Trinken von Alkohol schon vor der Party und dem Ausgehen anfängt, da der Alkohol in Lokalen und Bars um einiges mehr kostet. Auch mit nachspiel meint man das Fortsetzen der Party mit Alkohol zu Hause.

Wie man erkennt, kann man da schon was ganz Falsches meinen, wenn man vom Aussehen der Wörter ausgeht. Auch lässt sich erkennen, das außer Namen Substantive kleingeschrieben werden.

Noch etwas Verrücktes aus Norwegen, dieses kleine Land mit seinen knapp 5.4 Millionen Einwohnern hat doch tatsächlich zwei Schriftsprachen, je nach Region lernt man also bokmål (Buchsprache) oder nynorsk (Neunorwegisch) und beide Sprachen werden auch in der Schule gelernt. Eine ist die Hauptsprache und die Andere wird als Nebenfach ab der 8.Klasse gelernt, nicht zur großen Freude der Schüler.

Und gesprochen wird sowieso in unzähligen Dialekten.

Welchen Satz man nur dann sagen sollte, wenn ihn der Andere nicht mehr hören kann

Die Norweger sind ein sehr dankbares Völkchen, immer und überall bedankt man sich, ob man sich nun nach einiger Zeit wieder sieht und sich für das letzte Treffen bedankt, takk for sist. Natürlich bedankt man sich für jede Mahlzeit, takk for maten! Einen Satz der vielleicht logisch erscheint, sollte man nur einmal zu jemandem sagen und in dieser Situation auch gar nicht mehr hören kann: Danke für Alles! Takk for alt!, das sagt man nämlich erst am Grab eines Verstorbenen!

Ich weiss gar nicht wie oft ich das gerade Norwegisch gelernt gesagt habe beim Verabschieden und Bedanken für ein Treffen, bis mir dann jemand sagte wann man das nur sagt.

Ein hohes Potential für ein Fettnäpfchen in Norwegen!

Schuhe aus im Haus in Norwegen

In Deutschland ist man bei diesem Thema ganz geteilter Meinung, da gibt es die Schuhe Ausziehregionen und die Schuhe anlassen Regionen. Ich selbst ziehe immer schon die Schuhe aus, wenn ich ein Haus betrete. In Ländern Südeuropas ist das ganz anders, da werden die Schuhe natürlich angelassen.

In Norwegen ist es so, das sie ausgezogen werden, auch wenn man zu einer Feier eingeladen wird, ist es dann nicht unüblich, das man im schönsten Kleid oder Anzug einfach auf Strümpfen läuft oder extra Schuhe für das Haus in der Handtasche dabei hat und diese dann einfach beim betreten des Hauses anzieht.

Aber nicht nur in Privathäusern, sondern oft auch in Arztpraxen, Schulen oder Ämtern kann es sein, dass es gewünscht wird, dass man die Schuhe auszieht oder zumindest solche blauen Plasteübersocken über die Schuhe zieht. An diesen blauen Socken erkennt man auch leicht ob das Schuhe ausziehen praktiziert wird, diese befinden sich gleich an der Eingangstür. Unsere zwei Jüngsten, beide in Norwegen geboren, wollen aus Gewohnheit immer noch überall die Schuhe ausziehen.

Wenn man sich gerade die Wetterverhältnisse im Winter in Norwegen ansieht, kann man das oft gut verstehen, wenn dieser Schlamm, Dreck und Matsch draußen bleiben soll.

Schlangestehen in Norwegen

Vordrängeln oder auch sonstiges Näherkommen von völlig Fremden ist den Norwegern sehr fremd! So haben sie überall, wo es zu Wartezeiten kommen kann, wie auf der Post, beim Fischladen, am Serviceschalter im Elektromarkt und an vielen anderen Plätzen im Land Systeme mit Wartezetteln (Kølapp), wie es bei uns meist in Behörden oder Ämtern gibt. In Schweden soll das System sogar noch ausgebreiteter sein.

Also nicht gleich zum Schalter stürmen wenn es aussieht, das niemand wartet, sondern erst einmal schauen, ob es da irgendwo einen Wartezettelautomat gibt und eine Anzeige mit Zahlen über dem Schalter. Den die Wartenden verteilen sich meist irgendwo, sodass man nicht unbedingt sieht, dass da eigentlich eine Warteschlange gibt.

Service in Norwegen

Beim Einkaufen in Norwegen braucht man oftmals vor allem eines: Geduld! Denn sowohl die Kunden lassen sich oft Zeit wie auch die Verkäufer. Wenn man denn mal einen erwischt und dann begegnen einem ganz oft die Worte: beklager und dessverre. Es tut ihnen Leid bzw. sie bedauern, denn oft haben entweder keine Ahnung oder das was man sucht ist mal wieder nicht zu haben. Dann kann es zwar manchmal bestellt werden, aber auf die Zeit die angegeben wird, bitte keinesfalls verlassen, denn das dauert eigentlich immer um einiges länger wie gesagt wird, wenn es denn überhaupt ankommt und dann auch noch das Richtige, das führte bei uns schon zu mancher Verzweiflung!

Also ein weiteres Fettnäpfchen in Norwegen: Ungeduld bei Einkaufen oder vielleicht sogar drängeln!

Essen und Trinken in Norwegen

Essen in Norwegen

Das Essen in Norwegen ist teilweise schon speziell, da kommt auch schon mal ein Lammkopf auf den Tisch und der Norweger isst eher konservativ und gewürzt wird eher weniger bis gar nicht.

Das sagen übrigens Menschen aus arabischen oder asiatischen Teilen der Welt auch zur deutschen Küche. Interessant wie unterschiedlich die Wahrnehmung von Geschmack ist.

Ich habe keine Ahnung, wie lange es dauerte bis sich zum Beispiel Tacco durchsetzte, aber inzwischen gehört der taccofredag, der Taccofreitag zu den Traditionen von norwegischen Familien.

Da hat sich in den letzten Jahren so einiges getan, aber wenn ich an unsere Anfangsjahre zurückdenke, war das Nahrungsmittelangebot schon etwas eingeschränkt.

Essen und Nahrungsmittel hat auch immer mit Politik zu tun, ich sage nur Walfang, Lachs gezogen in Riesenbecken mit Medikamenten vollgekippt, bis zum Monopol von Molkereien oder Fleischereien. Ausländischen Anbieter wird es sehr schwer bis unmöglich gemacht im norwegischen Markt Fuß zu fassen.

Dabei sind die Norweger sehr stolz auf ihre Produkte, vor allem das saisonale Obst und Gemüse ist dann wirklich ein Gedicht, wenn ich da nur an die Erdbeeren denken. Eine Diskussion um das Essen und an Kritik über die Monopole von nur wenigen Lebensmittelketten kann durch ein Fettnäpfchen in Norwegen sein.

Alkohol ein irgendwie merkwürdiger Umgang

Norwegen hat eine sehr restriktive Alkoholpolitik, was sich darin zeigt das man starken Alkohol nur in speziellen Geschäften (Vinmonopol, ein staatlicher Laden) kaufen kann und auch die Zeit sehr legitimiert sind, wann man Alkohol kaufen kann. So wird in Geschäften die Bier verkaufen, also im Supermarkt dann das Bier abgehängt bzw. hinter Gittern gelegt und auch an der Kasse ist es dann nach 20 Uhr in der Woche und nach 18.00 Uhr am Samstag nicht mehr möglich, das Bier zu bezahlen, das nimmt die Kasse dann einfach nicht mehr an. Trinken in der Öffentlichkeit ist ebenso nicht erlaubt.

Dazu führen die hohen Steuern natürlich zu hohen Alkoholpreisen. Was wiederum dazu führt, dass oft selbst Alkohol hergestellt wird, ob nun Wein, da gibt es die Bausätze in ganz normalen Läden oder das illegale Brennen von Schnaps, was auch recht weit verbreitet ist und immer mal wieder für Schlagzeilen führt durch Augenschäden, wegen des Methanols. Bekommt man sowas angeboten, sollte man lieber die Finger davon weglassen.

Zwar trinken die Norweger an sich gar nicht so viel Alkohol, aber wenn dann richtig, also es wird sich dann wirklich gerne mal die Kante gegeben und das in allen Altersstufen.

Alles mit der Ruhe und der Umgang mit Problemen

trondelag panorama Blick auf steinvikholm Fettnäpfchen in norwegen

Eines der wichtigsten norwegischen Wörter die man lernen sollte und nicht nur das, sondern auch leben sollt: Alt ordner seg! Alles wird schon in Ordnung gehen! Nur kein Stress machen und es wird sich schon irgendwie eine Lösung finden, danach wird in Norwegen gelebt und auch gearbeitet!

Das kann für uns strukturierten und lösungsorientierten Deutschen wirklich eine Herausforderung sein! Aber ja meist klappt dann wirklich alles irgendwie. Meist zwar nicht wie gedacht, aber ja es findet sich eine Lösung, ob die dann gut oder eher nicht so gut ist, das sei dahin gestellt. Aber ja dieser Ansatz der Sicht der Dinge tut einem ganz gut und ich hoffe das wir davon ein bisschen auch hier im deutschen Alltag behalten können.

Wenn man dann auf Probleme stößt, sollte man diese nicht direkt ansprechen, dann wird eher so etwas Drumherum. Man löst Probleme am liebsten, in dem man sie umgeht. Ein absolutes Unding wäre ein Wutanfall, damit landet man in einer Firma schon mal beim Gespräch beim Chef. Die Gefühle hält der Norweger eher für sich.

So wird auch nicht gerne direkt gesagt, wenn was nicht möglich ist, sondern dann fallen eher Sätze wie: Det er vanskelig! Das wird schwierig! Oder auch Det tror jeg ikke! Das glaube ich nicht!

Es wird also nicht direkt geantwortet und auch Konkrete Aussagen machen die Norweger sehr ungern.

Um dort nicht über die Fallstricke zu stolpern,muss man also lernen diese Ansagen zu verstehen und auch gleich richtig zu deuten, manchmal nicht so leicht.

Fazit zu den Fallstricken und Fettnäpfchen in Norwegen

Wie in allen Ländern in die man reist oder besucht kann man auch in Norwegen über so einige Fallstricke stolpern! Und das ist auch gut so, denn nur so lernt man ein Land kennen und vielleicht auch lieben, mit all seinen Feinheiten und Besonderheiten, all seinen Sachen über die man zwar gerne lächelt, aber die man dann sogar gut findet. Das schöne an Norwegen ist, sollte man einmal in ein Fettnäpfchen treten oder über ein Fallstrick stolpern, fangen die Norweger einen in der Regel gerne auf und nehmen es oft mit Humor. Denn sie lieben ihr Land und sie lieben es ebenso, wenn sie Menschen dafür aufrichtig interessieren und mehr wissen und lernen wollen, so zumindest unsere Erfahrung die wir in 13 Jahren Leben in Norwegen sammeln durften!

Das waren also unsere Fettnäpfchen in Norwegen auf die wir euch hinweisen wollten! Hast du noch mehr dann schreibe es gerne in die Kommentare.

Was es so in anderen Länder zu beachten gibt könnt ihr hier lesen:

Pubs in Irland

Fettnäpfchen in Japan

Was ihr in Neuseeland nicht tun solltet

Dinge die Deutsche in Wien nicht sagen solltet

Fettnäpfchenführer für Island

3 Kommentare

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.