Schulterblick: Mit der Kamera durch Sibirien

Irgendwie kann ich es noch gar nicht fassen und nach einem kurzen Rausch sitzt man schon wieder am heimischen Rechner und sortiert seine Erinnerungen und natürlich eine ganze Menge an Bildern. Die Reise durch Sibirien werden wir so schnell nicht vergessen. Die Eindrücke, Erlebnisse und Erfahrungen werden uns sicher noch eine Weile beschäftigen.

Die Ausrüstung

In meiner Packliste hatte ich aufgelistet, was ich alles mitschleppen werde. Tatsächlich habe ich auch wirklich alles davon im Einsatz gehabt. Abgesehen von ein paar Filtern und Adapterringen, aber solchen Kleinkram habe ich eh immer im Rucksack, egal was ich vorhabe zu knipsen. Der neue Rucksack erwies sich als äußerst praktisch und sehr bequem. Mal sehen, vielleicht werde ich den hier irgendwann mal etwas näher beschreiben.

Hier begann unsere Reise durch Sibirien
Moskau am frühen Morgen

Ich war eigentlich ziemlich gut aufgestellt und hatte eigentlich alles dabei, was man so braucht, auch wenn es immer etwas gibt, was man doch gerne hätte. Manchmal wünscht man sich dann doch ein etwas weit-winkligeres Objektiv ober eine besseres Teleobjektiv. Ein Gimbal zum Filmen steht ebenfalls auf meiner Wunschliste, ebenso ein gutes Reiseobjektiv mit einer Brennweite von etwas 18-250 mm. Aber so ist das eben in der Fotografie, egal wie viel Krempel man schon hat, es gibt immer etwas, dass man noch unbedingt braucht.

Streetart entdeckt in einer Fussgängerzone

Leider ist mir unterwegs meine Glaskugel kaputtgegangen. Genau genommen hatte ich sie auf ein ziemlich wackliges Geländer gelegt und natürlich fiel sie runter und knallte auf eine Bordsteinkante. Die Scharten sind so groß, dass die Kugel unbrauchbar ist. Ersatz ist nicht teuer, wenn man nicht gerade hier in Norwegen wohnt. Ich muss mir jetzt irgendwas einfallen lassen.

Unser Zugabteil in der Kugel

Die Städte

Unterschiedlicher können Städte nicht sein! Es ist unglaublich wie kontrastreich sich Russland und speziell Sibirien zeigte.

In Moskau stießen wir auf Prunk, Luxus und Reichtum, auf verspielte und detailreiche Architektur, auf gewaltige Strassen, Parks und unzählige Touristen. Für Fotografen hat Moskau sehr viel zu bieten, sowohl am Tage, als auch in der Nacht. Die Stadt schläft nie und die beleuchteten Gebäude der Innenstadt eignen sich hervorragend zum Fotografieren. Meiner Meinung nach hat Moskau mindestens genau soviel zu bieten wie zum Beispiel Rom. Für viele Fotografen ist Rom ein echtes Highlight, doch ich denke das Moskau nicht weniger interessant ist.

Ein wohl bekannter Touristenmagnet in Moskau

In Irkutsk begegneten uns eher der Verfall, das war zumindest mein erster Eindruck nach alldem Prunk in Moskau. Wir sahen viele traditionelle sibirische Häuser und Wohnviertel, aber leider haben die ihre Glanzzeiten längst überdauert. Nach einiger Zeit entdeckt man aber den Reiz, den diese Stadt ausmacht.  Eine schöne Stadt mit netten Menschen, die unter den harten Wintern und offensichtlich auch an Geldmangel leidet. Ein Besuch lohnt sich aber definitiv.

 

Sonnenuntergang in Irkutsk

Das Stadtbild von Wladiwostok wird von der russischen Marine geprägt. Kein Wunder, denn sie war lange Zeit nur für die Bewohner und das Militär zugänglich. Für alle anderen war der Zutritt verboten. Doch auch hier gibt es fotografisch viel zu entdecken. Die russische Brücke, die man von überall aus sehen kann, die vielen Kirchen und natürlich die typisch russischen Statuen, die man überall entdecken kann.

Bahnhof Wladiwostock

Ulan Ude war die einzige Stadt, die erkennen lies, das wir uns in Asien befanden. Das hatte natürlich mit dem Menschen zutun, die den Mongolen sehr ähnlich sahen ( die Grenze zur Mongolei ist hier nicht weit entfernt) als auch mit der Bauweise der Gebäude. Hier findet man auch wieder die typischen sibirischen Häuser, aber im Gegensatz zu Irkutsk befinden sie sich in einem besseren Zustand.  Wir empfanden Ulan Ude als eine Perle in Sibirien. Dem entsprechend oft zog ich mit der Kamera los.

Ethnologisches Museum in Ulan Ude
Ethnologisches Museum in Ulan Ude

Jekatarienburg war schon wieder sehr europäisch mit vielen russischen Prachtbauten, einer tollen Promenade und sehr vielen prachtvollen Kirchen und Kathedralen, einem schönen Zoo und schattigen Parks. Auch hier ist ein Besuch absolut empfehlenswert.

Jekatarienburg bei Nacht
Jekatarienburg bei Nacht

Die Unterschiede der jeweiligen Städte hätte grösser nicht sein können, was gerade aus fotografischer Sicht sehr spannend sein kann.

Durch Sibirien mit der Transsib

Es ist nicht die schnellste Variante durch Sibirien zu reisen, aber sicherlich die Aufregendste.  Klar man hat viel Zeit, wenn man Tagelang im Zug sitzt (oder auch liegt) Aber diese Zeit nutzte ich oft, um meine Kameraausrüstung gründlich zu reinigen. Ich habe bis jetzt noch keinen einzigen Sensorfleck entdecken können, was mich wirklich freut.

An irgendeinem Bahnhof auf der Transsib
An irgendeinem Bahnhof auf der Transsib

Mehrmals Täglich hielt der Zug für 15-30 Minuten an. In dieser Zeit versuchte man zwar meist ein paar Leckerbissen zu ergattern, was selten ein Problem war, ich aber nutzte die Zeit zum Fotografieren. Schließlich wollte ich das Zugleben auch dokumentieren.

Ein altes russischen Blechschild
Entdeckt an einem Bahnhof irgendwo zwischen Jekatarienburg und Moskau

Es ist gar nicht so einfach, in einer so kurzen Zeit ein geeignetes Motiv zu finden und vernünftig abzulichten. Man muss sehr schnell reagieren und die Kamera entsprechen einstellen. Meistens hat man dann auch noch das falsche Objektiv drauf. Trotzdem sind viele gute Bilder entstanden, die hier auf dem Blog noch zeigen werde.

Begegnungen

Die gab es reichlich. Wenn man das Gesicht zur Faust ballt, bedeutet das normalerweise nichts gutes. Um solche Leute macht lieber eine großen Bogen. In Russland ist das ein wenig anders, hier gehört zum guten Ton wenn man etwas missmutig drein schaut. Oftmals gehört aber nicht viel dazu, und man erkennt so etwas wie ein Lächeln in ihren Gesichtern. Wenn die grummelig wirkende Oma im Zug den Kindern plötzlich Schokolade schenkt, oder wenn der gefährlich aussehende Wachmann einem plötzlich die Tür aufhält, überrascht einem oftmals das schon ganz gewaltig.

Der Bahnhof von Irkutsk
Der Bahnhof von Irkutsk

In den letzten 15 Jahren, in denen ich mit meiner Kamera unterwegs war, bin ich nur sehr selten mal von Passanten angesprochen worden. In Sibirien passierte mir das häufiger. Auch wenn es in der Regel Probleme mit der Kommunikation gab, versuchte man sich doch irgendwie zu verständigen. Ein Fotograf in Irkutsk war so neugierig, dass er mir seine Visitenkarte gab, damit ich ihn kontaktieren kann. Wir stehen immer noch per Mail in Kontakt.

Jekatarienburg am frühen Morgen.
Jekatarienburg am frühen Morgen.

Zwei Obdachlose baten mich um etwas Geld, als ich mal wieder alleine auf Tour war. Ich hatte natürlich mal wieder nichts dabei. Mir war es schon ziemlich unangenehm. Mit meiner dicken Kamera und dem Stativ ausgerüstet, hatte ich nicht einmal ein paar wenige Rubel für diese Menschen. Was mir ebenfalls noch ein wenig Sorgen bereitete, war der Umstand, dass ich ganz alleine mit diesen Leuten war. In einer kleinen Gasse. Ich hatte keine Ahnung wie diese Leute reagieren würden. Ich deutete ihnen an, dass meine Taschen leer seien. Da lächelten sie und deuten mir, dass ich sie fotografieren solle. Damit hatte ich nicht gerechnet! Das überraschte mich dermaßen, dass ich  einfach nur auf den Auslöser drückte ohne mir Gedanken um die Einstellungen zu machen. Ich werde dieses Bild nicht veröffentlichen, da ich nicht weiß ob es diesen Leuten wirklich recht ist.

Kathedrale in Jekatarienburg
Kathedrale in Jekatarienburg

Eines ist mir auf dieser Reise jedenfalls klar geworden: Die Russen sind ein herzliches Volk. Auch wenn sie meistens nicht so aussehn.

Fazit

Aus fotografischer Sicht ist eine solche Reise absolut empfehlenswert. Abwechslungsreich ist es allemal und spannend erst recht. Jeder Bahnhof und jede Stadt ist anders. Die Eindrücke überschlagen sich regelrecht.

Bunte Eingangangstür zum Tempel in Ulan Ude
Tempel in Ulan Ude

Ich bin mit vielen Ideen angetreten und konnte aber nur wenige davon umsetzen. Das lag zum einen an der oft knappen Zeit, zum anderen an mangelnden Möglichkeiten. Ich habe keine Timelapse machen können. Auch Panoramen machte ich nur sehr wenige. Dafür filmte ich mehr als ich dachte und machte immerhin 2250 Bilder. Diese Masse muss erst einmal sortiert und bearbeitet werden.

Typische sibirische Holzverzierung, wie man sie überall finden kann. Hier in Ulan Ude.
Typische sibirische Holzverzierung, wie man sie überall finden kann. Hier in Ulan Ude.

Leider hatte ich oft mit schlechten Lichtsituationen zu kämpfen. Irgendwie hatte ich auch sehr oft nur einen weißen oder grauen Himmel. In den ersten drei Wochen musste ich auf die goldene Stunde komplett verzichten, da das Wetter nicht mitspielte. Aber das ist doch eigentlich das spannende an der Fotografie, bei optimalen Bedingungen macht jeder schöne Bilder.

Ein Torbogen in Ulan Ude
Ulan Ude

Dieses mal fotografierte ich in RAW und jpg. Somit hatten wir schon einmal Bilder, die wir auf Facebook und Instagram zeigen konnten. Diese Bilder waren alle samt unbearbeitet. Die fertig bearbeiten Bilder werden natürlich hier auf dem Blog präsentiert, zumindest die Besten oder jene die zum entsprechenden Blogbeitrag passen. Wer gerne alle Bilder sehen möchte, kann gerne bei meiner Galerie vorbei schauen. Im Moment sind noch nicht viele Bilder fertig, aber es kommen täglich neue hinzu.

Bahnhof in Irkutsk
Bahnhof in Irkutsk

 

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18 Kommentare

  1. Ich glaube gerne, dass so eine Tour auch eine richtige Reizüberflutung mit sich bringt und man später zu Hause erst einmal alle Eindrücke sammeln muss und im Anschluss erstmal verarbeitet, was man alles gesehen hat.
    Deine Fotos sind super gut gelungen und machen echt Fernweh und Lust auf einen Roadtrip.

    Vielen Dank dafür,
    Elisa

  2. So hab ich mir Sibirien nicht vorgestellt! Deine Bilder und der Bericht sind ja echt super! Da glaube ich Dir gerne, dass es ne Weile dauert, bis man das verarbeitet hat.

    Lieben Gruß, Bea.

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