Einblicke in die verstörende Welt der Anthroposophie in Waldorfschule und Camphill

Eine ganz andere „Reise“ unseres Lebens

Jetzt kommen mal keine normalen Reisebeiträge, aber Beiträge, die auch Stationen unseres Lebens darstellen, also eine ganz andere Art der Reise.

Das werden jetzt Beiträge, die wir schon ewig schreiben wollten. Aber es ist auch ein Thema, welches erst verarbeitet werden musste und nun an der Zeit ist an die Öffentlichkeit zu bringen. Die Stimmen ehemaliger Waldorfschüler:innnen, Lehrer:innen, Mitarbeiter:innen in anthroposophischen Einrichtungen werden immer lauter die zeigen, welch merkwürdige, verstörende und wissenschaftsfeindliche Welt die Anthroposophie ist.

Erst einmal kurz dazu, was die Anthroposophie eigentlich ist.

Anthroposophie, die "Weisheit vom Menschen" wörtlich übersetzt. Eine von Rudolf Steiner(1861-1925) gegründete Weltanschauung und auch deren Schulungsweg. Ein aus Goethes Weltanschauung des deutschen Idealismus, christlicher Mystik, der Gnosis, östlichen Lehren und noch etwas von Steiners zeitgenössischer Naturwissenschaft bestehendes Konglomerat. Es ist eine okkulte "Geheimwissenschaft", von der Rudolf Steiner mit "Hellseherorganen"gesehen und erforscht hat. 
Er war also ein Hellseher, der all diese Dinge "gesehen"hat.
Ein wichtiger Punkt bzw. eben der zentrale Punkt der Anthroposophie ist die Entwicklung des Menschen übersinnlich und spirituell zu sehen,sich dabei aber von östlichen Lehren abzugrenzen.
Gleichzeitig ist Anthroposophie auch Erkenntnisweg zur wissenschaftlichen Erforschung des "Geistigen", durch Meditation, Konzentration und Anleitung eines erfahrenen Lehrers soll man ein Schauen "höherer Sphären" erlangen können.
Steiner war ein sehr umtriebiger Mensch, so gibt es 28 Schriften und ungefähr 5900 von ihm gehaltene Vorträge und zwar zu den meisten Lebensgebieten, die es so gibt.
So hat sich die Anthroposophie auch in die verschiedensten Bereiche entwickelt, die bekanntesten sind wohl die Waldorfschulen, die biologisch dynamische Landwirtschaft(DEMETER) wie auch in der Medizin und auch in der Heilpädagogik.
Anthroposophische Architektur, Kulturhaus Jøssåsen landsby Camphill Norwegen
Typische anthroposophische Architektur (Kulturhaus Jøssåsen landsby, Camphill Norwegen)

Unsere erste Begegnung mit der Waldorfschule

Mein Mann und ich sind beide ehemalige Waldorfschüler. Wir sind allerdings erst nach der Wende, vorher gab es im Osten keine Waldorfschulen auf die Waldorfschule gekommen. In den Wirren der Nachwendezeit, wo auch irgendwie ein Chaos an den Schulen war, was bleibt, wie wird unterrichtet usw. alles im Wandel und da standen dann sowieso Schulwechsel an und warum dann nicht was Neues ausprobieren, dachten sich wohl unsere Eltern.

In Chemnitz begannen wir unsere Waldorfschulkarriere 1991 in der 8. Klasse.

Was ich heute als unseren Vorteil und nach den ganzen #exwaldi Geschichten nun auch verstehe, warum es für uns eigentlich sehr positiv war. Wir hatten vorher also eine sehr gute Bildung, abgesehen vom Politischen in der DDR genossen, also sehr naturwissenschaftlich und auch gelernt, wie man lernt. Alles, was wenn man Waldorfschüler:In von Anfang an ist, eben nicht lernt.

Dazu waren auch unsere Lehrer:innen eben keine oder noch keine Waldorflehrer:innen, zumindest die allermeisten, es gab nur drei Lehrer aus dem „Westen“ die „Vollanthros“echte Waldorflehrer waren. Die meisten unserer Lehrer:innen hatten eine ganz normale Lehrer/Pädagogikausbildung, mit einem Crashkurs in Waldorfpädagogik, oft lief die Ausbildung auch noch nebenbei. Ein Vorteil waren auch die vielen Lehrer:innen die aus dem Ausland kamen. Es war also eher eine weltoffene noch ganz im Aufbruch befindliche Schule und auch Zeit.

Daher haben wir wirklich nur gute Erfahrungen gesammelt, fanden manche Sachen schräg, waren aber schon alt genug, bestimmte Sachen nicht mehr mit zu machen, warum soll ich mit Buntstiften schreiben oder nur die oder die Farbe benutzen? Da haben wir einfach nicht mehr mitgemacht.

Dann kam ja auch gleich die Oberstufe, wo man sich sowas ja gar nicht mehr sagen lässt.

Lehrer, die Schüler schlugen, wurden entlassen, nachdem wir uns weigerten, uns weiter unterrichten zu lassen, das war in der 10. Klasse.

Auch ein Lehrer, der mit Nazisymbolen an der Gürtelschnalle erschien, war ganz schnell wieder weg.

Ja also wir haben die Waldorfschule positiv erlebt und „Anthrokram“ belächelt. Hatten mit unserem Klassenlehrer ab Kl. 10 teilweise wirklich interessante Diskussionen über die Anthroposophie.

Aber das war einfach der besonderen Situation geschuldet, mit Lehrern, die selbst erst Waldorfkrams lernen mussten.

Ich weiß gar nicht, ob man das wirklich Waldorfschule nennen darf, mit dem heutigen Wissen, was Waldorfschule eigentlich ist.

Eines ist mir beim Erinnern aber wieder eingefallen: In der 10. Klasse (1994) brannte eines Nachts unser Schulgebäude, wir hatten damals ein eigenes Oberstufengebäude weit entfernt vom anderen Teil der Schule ab. Wie sich später herausstellte, war es Brandstiftung und die Brandstifterin war meine damals beste Freundin, die kurz zuvor die Schule verließ. Im Zuge dessen stand so plötzlich die Presse vor meinem zu Hause, hat mich regelrecht aufgelauert und wollte Infos über meine Freundin und noch lieber Fotos, es wurde auch richtig Geld geboten dafür. Die Adresse kam mutmaßlich aus dem Umfeld der Schulmitarbeiter, wie der Journalist damals sagte.

Die Schule, Lehrer, Geschäftsführung interessierte es überhaupt nicht, dass ich damals recht massiv bedrängt wurde, damals war ich so 16/17 Jahre alt. Auch wurde das Thema nie besprochen, nicht einmal angesprochen, wer die Brandstifterin war oder auch warum. Es wurde einfach verschwiegen. In der heutigen Schulhistorie findet man nichts über dieses einschneidende Ereignis, es waren fünf Klassen direkt betroffen, wir mussten monatelang in einer anderen Schule unterkommen.

Wenn ich das im Nachgang betrachte, zeigte das Ereignis eines der Probleme der Waldorfschule: Die Schüler sind eigentlich egal, alles was passiert ist ja sowieso vom Karma bestimmt, also muss man damit einfach klar kommen.

Die zweite Begegnung mit der Waldorfschule- ein Versagen der Schule auf vielen Ebenen

Schule in Norwegen

2016 kam unser Kind Nummer 3 in Norwegen in die Schule. Wir hatten also schon so einiges an Schulerfahrung als Eltern und auch durch eine Legasthenie von Kind Nummer 2 einiges an Schwierigkeiten erlebt. Wir waren also durchaus sensibilisiert, was das Lesen und Schreiben angeht. Das nicht vorhandene Interesse an Buchstaben und Büchern im Kindergarten ist uns schon früh aufgefallen. In der ersten Zeit in der Schule bestätigte sich bald, das auch Kind Nummer 3 nicht unbedingt die Schule als Lieblingsort haben wird. Nach einer Woche wollte sie schon nicht mehr gehen, nach drei Monaten war sie wirklich kaum noch zu motivieren. Sie kam nicht klar, Buchstaben „tanzten“ und überhaupt versteht sie nix. Da Gespräche mit den Lehrer:innen uns nicht weiter halfen, es wurde gelächelt und gesagt, sie braucht nur Zeit, haben wir die Reißleine gezogen und nach einer Alternative gesucht. Es fand sich in unserer Stadt eigentlich nur eine Alternative und zwar eine christliche Privatschule. Mit dieser Schule hatten wir Glück, auch wenn wir nicht religiös sind, die Vorteile der Schule wogen alle Bedenken auf. So besuchte das Kind nach Weihnachten dann die neue Schule, wo die Klasse aus 9 Schüler:innen bestand, wohlgemerkt waren das Klasse 1 und 2 zusammen, also wirklich gute Bedingungen was die Anzahl der Schüler:innen angeht. Auch die Lehrer:innen waren absolut toll. Es half, das Kind ging wieder relativ gerne zur Schule, machte Fortschritte und fühlte sich wohl.

Doch es fiel eben auf das sie große Probleme beim Lesen und Schreiben hatte. In der 2. Klasse wandten wir uns an das städtische schulpsychologische Team. Was aber noch keine genauere Diagnostik durchführte, da die Stadt dass erst in der 4. Klasse vorsah. Aber die Schulpsychologen gaben den Lehrern Tipps und Hinweise, wie das Kind am besten gefördert werden konnte, in so einer kleinen Klasse ist eine individuelle Förderung auch gut möglich gewesen.

Waldorfschule in Deutschland

Epochenheft Waldorfschule
Die typischen Epochenhefte, sozusagen die Schulbücher der Waldorfschüler:innen

Ein Versagen auf vielen Ebenen

Versagen der Förderung

2018 gingen wir nach Deutschland zurück. Wir dachten um den Übergang aus dem doch „softerem“ norwegischem Schulsystem in das deutsche Schulsystem leichter zu gestalten, wäre eine Waldorfschule ganz gut. Wir kontaktierten also aus Norwegen noch die Freie Waldorfschule Görlitz, die auch einen Platz in der Klasse hatte. Wir beschrieben von Anfang an die Probleme die bestehen und wurden beruhigt:

„Ach das Kind hat bei uns genug Zeit zum Lesen und Schreiben lernen! Wir haben 2 Heilpädagogen an der Schule, die extra schauen könnten.“ „…Wenn wir besondere Schwierigkeiten feststellen, können wir auch in Absprache mit den Eltern ein so genanntes Feststellungsverfahren einleiten, bei dem dann vielleicht ein besonderer Förderbedarf festgestellt wird. Das gibt uns dann wieder die Möglichkeit, das Kind besser zu fördern, vielleicht sogar allein.“

Email vom28.8.2018 verantwortliche Lehrerin L. Kinderaufnahmekreis

Also das klang alles sehr gut, der erste Besuch startete zwar chaotisch, unser Termin wurde einfach mal vergessen. Ach wenn wir gewusst hätten, das dieses Chaos dort an der Schule normal war.

Die Probetage verliefen auch gut, dem Kind gefiel es. So konnte sie nach den Weihnachtsferien im Januar 2019 in der 3. Klasse der Waldorfschule Görlitz starten.

Es fiel natürlich auf, dass das Kind wie von uns berichtet, deutliche Probleme beim Lesen und Schreiben hat. Im November 2019 wurden wir gefragt ob wir den ein Feststellungsverfahren zum Verdacht auf eine Legasthenie einleiten wollten. Dazu führte ich am 25.11. ein Gespräch in der Schule mit der zuständigen Heilpädagogin. Natürlich wollten wir das und der Antrag war schnell ausgefüllt. Der Antrag wurde dann an eine falsche Adresse geschickt, sodass die Antragsfrist nicht eingehalten wurde und damit der Antrag in diesem Schuljahr nicht mehr bearbeitet wurde.

Das war für uns in dem Moment nicht tragisch, da die Schule gleichzeitig einen Förderunterricht für das Kind anbot, was wir natürlich gerne annahmen! So hatte das Kind 1-2mal die Woche also Förderunterricht, zusammen mit einem Mitschüler. Später wurde dieser Unterricht im Corona Lockdown und danach, als in Sachsen die festen Gruppen Regeln für Grundschüler und ihren Lehrern galten, als Videokonferenz abgehalten, übrigens der Einzige online Unterricht für das Kind, aber das Thema kommt dann später noch einmal. Dieser Förderunterricht zeigte auch durchaus positive Ergebnis.

Dieser Förderunterricht endete dann ganz abrupt zum Ende des Schuljahres 2019/2020, also Ende der 4. Klasse. Obwohl wir im Juni, also kurz vor Schuljahresende extra noch verschiedene Lernmaterialien wie eine Lernbox anschafften und da von einem Ende des Förderunterrichts keine Rede war.

Wir bekamen nie eine Erklärung der Heilpädagogin, der Klassenlehrerin oder der Schule darüber. Der Unterricht fand einfach von einer Woche zur nächsten nicht mehr statt. Später begründete die Schule das in einem Zeitungsinterview, aber eben genau mit der Begründung der Umsetzung der Coronamaßnahmen, was aber eben total Blödsinn war, da eben gerade der Förderunterricht vorher online stattfand und das auch recht gut funktionierte.

Im Oktober 2020, also am Anfang der 5. Klasse, fragte ich die Klassenlehrerin dann wegen des neuen Antrags der Feststellungsdiagnostik, damit nicht wieder irgendwelche Fristen versäumt werden, da bekam ich zur Antwort:“ Das hätte noch Zeit, kein Problem!“ Tja, dem war dann wohl doch nicht so, denn in der zweiten Woche der Herbstferien Ende Oktober bekamen wir plötzlich einen Anruf, ob die Klassenlehrerin zu Hause vorbei kommen könnte, wir müssten dringend den Antrag unterschreiben, sonst würde die Frist nicht eingehalten, aha, 3 Wochen vorher war das alles noch gar kein Problem! So viel zur Organisation der Schule, einfach nur Chaos pur.

Ich möchte mir gar nicht vorstellen, was ohne unsere Erinnerung an die Antragstellung passiert wäre.

Natürlich durfte die Klassenlehrerin in den Ferien vorbei kommen und wir unterschrieben die Papiere.

Durch Corona entstand allerdings ein Diagnostikstau, da durch die Maßnahmen, es schwierig bis nicht möglich war, die Gutachten zu erstellen.

Im Dezember erhielt das Kind die Diagnose Epilepsie. Übrigens laut Klassenlehrerin deshalb weil sie gerade Bruchrechnen durchgenommen hatten und da nun etwas im Gehirn ebenfalls zerbrochen ist!

Was sich selbst deshalb schon mal als totalen Blödsinn herausstellte, weil die ersten Anfälle in den Ferien also ganz ohne Schule passierten. Aber genau solche Denkweisen sind es, die die wirklich verstörenden Ansichten der Anthroposophie ausmachen.

Dann passierte erst einmal lange Zeit nix, was eben der Coronasituation geschuldet war, aber sich auch nicht wirklich ein Interesse der Schule zu erkennen ließ. Förderung geschah in der ganzen Zeit gar nicht mehr. Die einzige „Erleichterung“: Das Kind musste die täglichen Texte in das Epochenheft, sozusagen das Schulbuch der Waldorfschüler:Innen, nicht alleine schreiben, mal gab es Kopien, die dann eingeklebt wurden oder Mitschüler:Innen schrieben die Texte fertig.

Laut Landesschulamt ist eine Schule verpflichtet auch ohne Diagnose alle ihr zur Verfügung stehenden Möglichkeiten auszuschöpfen.

Dies wird individuell mit Schule und Eltern festgelegt und kann in einer individuellen Bildungsvereinbarung festgehalten werden.

Landesschulamt Bautzen

Es geschah aber gar nix auch fanden keinerlei Elterngespräche im Jahr 2020 bis Herbst 2021!

Wir fragten natürlich ständig nach, wie der Stand der Dinge ist und auch ob die Epilepsiediagnose, die neu dazu kam, nicht nachgemeldet werden sollte, aber wir erhielten oftmals gar keine Antworten mehr von der Schule, der Klassenlehrerin oder der Heilpädagogin oder auch sachlich völlig falsche.

So empfahl uns die Heilpädagogin:

…Eigentlich gibt es zwei Möglichkeiten: Geduldig abwarten, oder über das Dudeninstitut(das nächste ist in Löbau)eine Diagnostik und Förderung anleiern. Mit Glück werden die Kosten dafür vom Sozialamt übernommen.

Email 9.4.21 Heilpädagogin

Diese Aussage ist sachlich einfach falsch, denn das Sozialamt übernimmt keine Kosten der Diagnostik bei einem privatem Institut, sondern allerhöchstens die Finanzierung einer Lerntherapie nach einem offiziellem Gutachten des Landesschulamtes und selbst das ist ein sehr, sehr schwieriger Weg hier im Landkreis, den wir gerade mühsam beschreiten.

Mit der Epilepsiediagnose hätten sich private Anbieter auch nicht unbedingt auf eine Diagnostik eingelassen, das haben wir später sogar in Betracht(Sommerferien 2021) gezogen, aber die haben in dem Fall auch aufs Landesschulamt und dem dortigen Gutachten verwiesen.

Es passierte also weiterhin nix. Beim Kind wurde aber immer deutlicher und deutlicher, das etwas passieren muss! Sie merkte nun Ende Klasse 5 und in den Sommerferien immer deutlicher, das sie eben nicht richtig lesen und schreiben kann, das sie nicht mehr mit kommt im Unterricht und dazu merkten natürlich auch die Mitschüler:Innen das der Abstand und die Lücken immer größer wurden, die ersten doofen Kommentare fielen.

Am Anfang des Schuljahres 2021/2022 verfasste ich an die Klassenlehrerin, die Heilpädagogin und Geschäftsführung der Schule einen Brief, wo ich die immer größer werdenden Probleme des Kindes darstellte und nach Lösungen verlangte. Darauf hin stellte die Klassenlehrerin die Kommunikation mit mir fast vollständig ein. Es wurde zwar ein Gespräch angeboten, aber größtenteils wegen ganz andere Problemen und die Diagnostik wurde weiterhin nicht forciert.

Darum kümmerte ich mich dann ganz persönlich, ich schrieb an den Leiter des Schulamtes, telefonierte mit allen möglichen zuständigen Stellen. Was dann zum Erfolg führte, das wir einen Diagnostiktermin im Oktober 2021 direkt bei der leitenden Schulpsychologin des Landesschulamtes in Bautzen bekamen.

Ich teilte der Schule meine Gesprächsbereitschaft nach erfolgten Gutachten mit und hielt die Schule auch ständig über das laufende Verfahren in Kenntnis. Auch über die immer größer werdenden Probleme des Kindes versuchte ich mit der Schule in Kontakt zu bleiben und Lösungen zu finden. So bekam die Klasse am Anfang des Schuljahres eine Aufgabe, einen Vortrag mit Plakat zu gestalten, das Kind verstand die Aufgabe aber nicht und kam gar nicht klar mit der Fragestellung. Ich versuchte zu klären, warum sie nicht klar kam und wie man das anders gestalten kann, damit es verständlicher wird, da gab es erst gar keine Reaktion der Klassenlehrerin auf meine Mails, zum Schluss kam dann nur die Antwort, das der Vortrag nicht gehalten werden muss. Tja half uns auch nicht wirklich weiter und die spätere Diagnostik zeigte dann ganz klar warum diese Aufgabe nicht verstanden wurde.

Mitte Oktober fand die Feststellungsdiagnostik zur Legasthenie dann statt, dabei zeigte sich schnell nicht nur das eine Legasthenie bestand, sondern gleichzeitig wahrscheinlich ein sonderpädagogischer Förderbedarf, sprich eine Lernbehinderung. Dazu musste die Schulpsychologin aber noch einmal genauere Tests machen, die wurden an einem kurzfristig anberaumten Termin in den Herbstferien durchgeführt. Diese Tests bestätigten den Verdacht und nun musste noch ein zweites Gutachten beantragt werden zur Feststellung eines sonderpädagogischen Förderbedarfs.

Das kam dann doch etwas überraschend, weil das hatte niemand von der Schule erkannt oder geahnt, aber es erklärt ganz klar, warum sie zum Beispiel die Aufgabe mit dem Vortrag nicht verstand und so reagierte.

Nun wollten wir natürlich das sich schnell was ändert für das Kind, uns war klar, an dieser Görlitzer Waldorfschule wird das nie was mit der Förderung, sodass für uns sehr schnell klar war, dass es das Förderschulzentrum werden sollte, wenn das Gutachten den sonderpädagogischen Bedarf feststellt.

Es fand dann ein Gespräch mit der Heilpädagogin und dem Geschäftsführer der Schule statt. Dort äußerte ich noch einmal meinen Unmut, wie alles bisher gelaufen ist und stellte klar das wenn ein sonderpädagogischer Bedarf im Gutachten festgestellt wird, für uns nur ein Schulwechsel infrage kommt. Da merkte man direkt fast ein Aufatmen der Anwesenden, ich glaube, ohne diese Worte wäre die Schule mit dem Klassiker der Vertragsauflösung von Schulverträgen an Waldorfschulen: Verlorenes Vertrauen gekommen, die Worte fielen auf jeden Fall schon mal im Gespräch.

Was übrigens noch fiel im Gespräch, nach dem ich beklagte dass das alles bis dahin zwei Jahre gedauert hätte, war der Satz der Heilpädagogin:

„…Aber das hätte doch alles überhaupt nichts geändert wäre es früher festgestellt worden!“

Heilpädagogin Gespräch mit der Schule 8.11.21

Das zeigt doch ganz deutlich die Haltung der Schule, die von Förderung, die bis dahin und übrigens auch nach dem ersten Gutachten nie durchgeführt wurde, überhaupt nichts hielt. Natürlich hätten diese zwei Jahre eher Förderung eine Menge gebracht, vor allem wenn ich sehe, was danach noch alles in dieser Schule und Klasse passierte.

Was auch auffiel in diesem Gespräch und der Restzeit an der Schule wurde nicht einmal darüber gesprochen, wie es dem Kind eigentlich geht, weder wie die Diagnostik lief, die ja doch ziemlich anstrengend ist, noch wie es ihr mit der Diagnose geht oder was das Kind eigentlich überall das denkt.

Auch das zeigt wieder die Sicht der Anthroposophen aufs Kind. Die Kinder interessieren in dieser Pädagogik nicht wirklich und haben bis zum Ende des zweiten Lebensjahrsiebts sowieso kein eigenes Urteil zu haben.

Und auch in diesem Gespräch wurde wieder sachlich völlig falsche Angaben gemacht. Nachdem wir nun sagten, das wir das Gutachten zur Feststellung des sonderpädagogischen Bedarfs stellen wollen und dann eben die Schule wechseln, also den formal richtigen Weg über Gutachten, Feststellungsbescheid, Schulwechsel gehen, wurde von der Heilpädagogin gemeint: „Nein das können wir ganz anders machen!“ Wir sollen einfach einen Brief schreiben, das wir aufgrund des Legastheniegutachtens und des dort vermuteten sonderpädagogischen Bedarfs um eine Probebeschulung am Förderschulzentrum bitten und die Schule schreibt auch was dazu. Tja, okay dachte ich mir, vielleicht gibt es eine „Abkürzung“ des formalen Weges, konnte es mir nach den bisherigen Erfahrungen nicht vorstellen.

Da ich dieser Abkürzung natürlich nicht traute, schrieb ich an das Landesschulamt, das wir das Gutachten zum sonderpädagogischen Bedarf haben wollen und fragte, ob dieser verkürzte direkte Weg über eine Probebeschulung am Förderschulzentrum möglich ist, dort erfuhr ich recht schnell, das es diese“Abkürzung“ natürlich nicht gab, sondern ganz normal die Anträge ausgefüllt werden mussten und dann wieder ein Extragutachten stattfinden wird.

Irgendwann erfuhr das die Schule auch und so musste sie also doch den normalen Weg gehen, wie er üblich ist, aber wieder wurden so mehrere Wochen verschenkt!

Das Gutachten fand dann im Frühjahr statt, wieder an zwei verschiedene Terminen, wo vom Kind wieder eine Menge Tests und Aufgaben zu lösen waren.

Das Gutachten bestätigte den sonderpädagogischen Förderbedarf und wir konnten nun endlich den Schulwechsel in Angriff nehmen. Nach drei Probetagen kurz vor den Sommerferien stand fest, dass das Kind zum Schuljahr 2022/2023 ins Förderschulzentrum wechselt und dort auch noch einmal die 6. Klasse besucht.

Bisher ein voller Erfolg das Kind fühlt sich dort wohl und lernt seinem Stand entsprechend und das tut ihm gut!

In der Waldorfschule Görlitz passierte bis zum Schulwechsel fördertechnisch rein gar nix, auch nicht nach dem die Legasthenie nun feststand und auch der Verdacht des sonderpädagogischen Bedarfs spielte keinerlei Rolle.

Damit war die Zeit der vom Kind verhassten Wachsmalblöcke endlich vorbei.

Was neben einer mangelnden Förderung noch so unglaublich schief lief, in der Waldorfschule beschreibe ich im nächsten Beitrag. Das wird dann ein Beitrag über das Versagen im pädagogischen und bei Mobbing.

Und nein unsere Geschichte ist kein Einzelfall, diese Versagen der Förderung, das Chaos in der Organisation tritt in so vielen Waldorfschulen auf, unter dem Hashtags #exwaldi oder auch #thymiangnom kann man vor allem bei Twitter oder Instagram viele Fälle nach lesen.

Weiter Informationen zu Waldorfschulen und Anthroposophie:

https://www.zdf.de/dokumentation/zdfzoom/zdfzoom-anthroposophie-gut-oder-gefaehrlich-100.html

Oder im Waldorfsalatpod-der kritische Podcast zur Anthroposophie

Hast du Fragen oder selbst solche Sachen in der Waldorfschule erlebt? Dann schreibe in die Kommentare oder melde dich auch so bei uns.

5 Kommentare

  1. Für Kinder mit Förderbedarf sind diese Schulen leider wirklich überhaupt nicht aufgestellt, entgegen der UN-weit geltenden Behindertenrechtskonvention. Das musste ich auch sehr schmerzhaft feststellten. Ich denke mein Kind wäre gar nicht erst in den Kindergarten aufgenommen worden, wenn die Diagnose schon festgestanden hätte.
    Dort wird wenig auf die individuellen Kinder eingegangen, und die Denke dahinter ist einfach befremdlich.
    Mein Kind wurde von Aktivitäten ausgeschlossen die für andere Vorschüler dazugehörten, und aufgrund bestimmter Merkmale seiner Behinderung blöd angesprochen. Eine zusätzliche Inklusionskraft hätte meinem Kind zugestanden, aber der Kindergarten wollte dies nicht.
    Obwohl selbst beim Informationsabend für die Eltern über die Schule selber noch betont wurde dass sie für alle offen sei, war beim Infotag für die Familien mit den Kinder keine Spur von der Beratungslehrerin zu sehen, und Dinge von den Kindern verlangt die für meins ohne Begleitung nicht möglich waren. Man sucht vergebens nach angemessenen Vorkehrungen oder einem Fünkchen Bewusstsein dafür. Die Lehrer sind wirklich komplett unvorbereitet und ahnungslos was Kinder mit Förderbedarf angeht, und wollen sich auch nicht weiterbilden.
    Es ging nicht nur meinem Kind so, mir fielen mehrere Kinder mit Auffälligkeiten auf, aber es wurde großteils unter den Teppich gekehrt.
    Obwohl alle Kinder ein Recht auf Inklusion haben, wird dort selektiert und die Familien obendrein noch gegaslighted. Außer man unterrichtet dort Eurythmie, dann darf das Kind so sein wie es ist. Aber natürlich ohne Diagnose.

    1. Vielen Dank für Ihren Kommentar. Wir halten es für sehr wichtig, dass solche Erfahrungen mit der Öffentlichkeit geteilt werden. Nur so können wir vielleicht irgendwann etwas verändern oder zumindest laut genug davor warnen.
      Liebe Grüße
      Nico

  2. Ich hatte das erste Mal konkret mit Anthroposophie zu tun, als ich schwanger war, und an eine entsprechende Hebamme geriet. Gefühlt ist Anthroposophie weit verbreitet in diesem Beruf.
    Ich hatte, da ich eine gut vorbereitete Mutter sein wollte, verinnerlicht, dass eine gute Mutter stillt, und dass jede Frau stillen kann.
    Aber meine Stillkarriere stand unter keinem guten Stern, denn meine Brüste wurden in der Schwangerschaft kein bisschen größer. Ich hatte auch nach der Entbindung keinen Milcheinschuss und Junior hatte keinen Saugreflex.
    Die Hebamme nannte mir sämtliche Tricks dies- und jenseits der Anthroposophie und immerhin lernte Junior rechtzeitig zu saugen. Aber die Milchproduktion tendierte gegen Null. Ich ließ mich von ihr das erste und letzte Mal in meinem Leben zum Homöopathen schicken und war irritiert, dass ein in einem Glas Wasser aufgelöstes Zuckerkügelchen, von dessen Mischung ich einmal am Tag einen Teelöffel zu mir nehmen sollte meine Milchproduktion anregen sollte.
    Es kam wie es kommen musste: nach sechs Wochen gab ich auf und entsagte Junior die 5 ml, die ich nach regelmäßigen Abpumpen alle 2 Stunden (auch nachts) aus mir rausbekam, und gab ausschließlich die Flasche.
    Der Moment, der mir mit der Hebamme am meisten in Erinnerung geblieben ist, ist die Situation als ihr ihr, Junior voll zufütternd, unter Tränen sagte, dass ich geahnt habe nicht stillen zu können (wegen der sich nicht verändernden Brüste). Ihre Kommentar: „Dann wolltest du es wohl auch nicht“.
    Ich habe kein zweites Kind bekommen, aber ich hätte in dem Fall lieber auf eine Hebamme verzichtet, als wieder eine Eso-Tante an meiner Seite zu haben.
    Im übrigen ist es in seltenen Fällen möglich, dass Frauen zu wenig Milchdrüsen in den Brüsten haben, und dann wirklich kaum Milch produzieren können. Das hätte man per Ultraschall bei der Frauenärztin abklären können. Den Hinweis habe ich aber nicht von ihr bekommen, und mich möglicherweise deutlich länger gequält als nötig.

    Generell habe ich das Gefühl, dass Anthroposophie gerne die „Schuld“ für Krankheiten und Behinderungen den Betroffenen geben. „Shit Happens“ gibt es nicht in der Anthroposophie.
    Daher wundert es mich, dass oftmals Menschen die mir psychisch (zumindest) angeschlagen erscheinen, sich manchmal genau diese Ideologie heraussuchen. Als empathisches Umfeld sind Anthroposophen eher ungeeignet.

    Das musstet Ihr ja offensichtlich ebenfalls zur Genüge erfahren.

  3. Hey, wir haben leider auch Schlimme Dinge mit der Schule erlebt. unser Kind wird da auch nicht mehr zur Schule gehen. Haben zum Glück eine neue Schule. Alles wird unter den Tisch gekehrt. Täter Opfer Umkehr. Jugendamt, Schulamt und Polizei, das waren in den letzten Wochen stetig unsere Begleiter. Und ehrlich, ich kann nur warnen, das Eltern ihre Kinder auf eine Waldorf Schule schicken.

    1. Gut das ihr eine neue Schule gefunden habt! Ich wünsche euch und eurem Kind ein gutes Ankommen in der neuen Schule und hoffe die Erlebnisse können gut verarbeitet werden.

      LG Ina

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