Schulterblick: Auf Pilzsuche Teil 1

Fotografieren im Wald lohnt sich eigentlich das ganze Jahr. Es gibt immer etwas zu entdecken doch ist es oftmals gar nicht so einfach im Wald zu fotografieren. Meistens gibt es so viele Motive, das man sich entscheiden muss, was man fotografieren soll, denn wenn man zu viele Details auf ein Foto bannt, ensteht schnell Chaos. Da es langsam immer herbstlicher wird und ich ein echter Feinschmecker bin, bin ich mit der Kamera auf Pilzsuche gegangen.

Pilze sind toll! Es gibt so viele verschiedene Arten. Viele Formen und Farben und Variationen. Es ist jedes Jahr ein kleines Highlight in die Pilze zu gehen. Dieses mal war die Kamera mit dabei, weil ich die Gelegenheit nutzen wollte, einmal zu beschreiben, wie man Pilze ins rechte Licht setzen kann. 

Auf die Kamera habe ich das 18-55 mm Kitobjektiv geschraubt. Es ist vielleicht nicht die beste Wahl für diese Art Motiv, aber ich wollte Bilder zeigen, die jeder einfach nachmachen kann. Jede Kamera wird heute mit einem Kit-Objektiv verkauft, abgesehen von den Profi-Modellen, aber wer solche Kameras kauft sollte eh wissen wie man Pilze knipst.

Außerdem hatte ich mein Stativ dabei. Es ist nicht zwingend erforderlich, aber sehr hilfreich. Ich hatte sehr viele Bilder auch ohne Stativ geschossen. Solange es nicht zu dunkel ist, ist das kein Problem. Mehr Ausrüstung ist erst einmal nicht erforderlich. 

  Die Pilzsuche

Da die Pilze in der Regel nicht von alleine vor die Kamera springen, muss man sie suchen. Dieses Jahr ist das sehr einfach, da wir eine regelrechte Schwemme erleben. 

Die meisten Pilze wachsen im Wald. Da sind feste Schuhe erforderlich. Da man oft kniet oder gar liegt, sollte man Klamotten anziehen, die auch mal dreckig werden dürfen.

Wer öfter auf Pilzsuche ist, der kennt viele Stellen wo Pilze wachsen, alle Anderen müssen mit gesenktem Haupt durch den Wald irren. Wer die Pilze pflücken möchte um sie zu essen, sollte diese noch am selben Tag verarbeiten. Deshalb ist es sehr wichtig, dass man den Rückweg im Auge behält. Nicht selten verläuft sich mal ein Pilzsammler und dann läuft man Gefahr, dass die Pilze verderben. 

Das man nur Pilze pflücken soll, die man wirklich kennt, braucht man wohl nicht extra erwähnen. Doch wen kennt man schon wirklich und wie soll man sich eigentlich kennen lernen, wenn man immer nur an einander vorbei läuft? Bevor man aber so einen unbekannten Fang vernascht, sollte man zu einer Pilzberatungsstelle gehen. Solche fungizide Beziehungsberater helfen dabei, dass man auch in Zukunft noch neue Bekanntschaften machen kann. Es gibt zwar viele gute Pilzbücher, aber Pilze können sich sehr stark unterscheiden. Farben und Formen können stark abweichen. Nach den Profilbildern kann man da nicht immer gehen, denn man kann da auch mal richtig Pech haben. 

Perspektive

Hat man dann endlich so eine Schönheit entdeckt (wir sind immer noch bei den Pilzen) stellt sich natürlich die Frage, wie man sie am besten ablichten kann. Die Perspektive spielt hier die entscheidende Rolle. Auf keinem Fall sollte man einfach im Stehen von Oben die Pilze fotografieren. Das sieht furchtbar aus und die Pilze geraten nicht wirklich in den Vordergrund. Ein Foto wird viel spannender, wenn man aus einer ungewöhnlichen Perspektive heraus knipst. Ich fotografiere am liebsten aus der Froschperspektive, also von ganz weit unten. Man kann natürlich auch von Oben die Pilze ablichten, ich denke aber das Pilze von unten besser aussehen, da der Stiel ein wichtiger Bestandteil ist. Ist halt Geschmackssache. So oder so, man muss sich richtig in den Dreck knien. Geht bei so kleinen Motiven halt nicht anders.

Ein großer Vorteil kann es sein, wenn die Pilze einem Hang oder Ähnlichem wachsen, denn dann kann man noch viel tiefer mit der Kamera gehen. 

Stativ  

Um länger Standhaft bleiben zu können (hier geht es wieder um die Fotografie), nutzt man am besten ein Stativ. Der Vorteil ist, dass man auch bei langen Belichtungszeiten fotografieren kann, denn im Wald kann es recht dunkel sein. Ein weiterer Vorteil ist, das man die Hände frei hat. So kann man nebenbei einen Zweig zur Seite biegen oder einen kleinen Reflektor halten.

Mit einem Stativ kann man viel ruhiger die Kamera einstellen und sich um den Bildaufbau kümmern, es entschleunigt die Fotografie ganz gewaltig. Leider sind Stative recht sperrig und oftmals sind sie eher im Weg. Bei so kleinen Pilzen wird es schon schwierig damit. In so einem Fall kann man auch ein kleines Säckchen mit Bohnen, Erbsen oder Reis verwenden. Darauf kann man die Kamera sehr gut platzieren und hat somit eine gute Ergänzung zum Stativ.

Achtet immer auch sicheren Stand, wenn ihr ein Stativ verwendet, ein wackliges Stativ kann euch alle Bilder ruinieren, im schlimmsten Fall kann ein Stativ auch umkippen und die Kamera und/oder das Objektiv beschädigen.

Einfacher Fernauslöser mit Kabel, wie ich ihn auch für Timelapse verwende

Wichtig ist, dass man entweder einen Fernauslöser verwendet, oder alternativ den Selbstauslöser der Kamera. Das bloße drücken des Auslösers kann die Kamera erschüttern und somit das Bild verwackeln.

Kameraeinstellungen 

Zu den Einstellungen gibt es nicht viel zu sagen. Verwendet man ein Stativ kann man den ISO auf 100 stellen, denn hier spielt die Verschlusszeit keine Rolle. Fotografiert man ohne, muss man schon auf die Belichtung achten. Ich verwende hier die ISO-Automatik, eingestellt auf maximal ISO 800. Das gibt mir etwas Spielraum, ohne das die Qualität darunter leidet.

Ich stelle die Kamera in den A-Modus. Damit kann ich mit der Blende die Tiefenschärfe beeinflussen und die Kamera berechnet die Verschlusszeit selber. Natürlich könnte man auch den manuellen Modus verwenden, da mich aber nur die Blendenöffnung interessiert, kann ich den Rest einfach der Kamera überlassen. Hier bin ich ganz pragmatisch.

Die Blende öffne ich so weit wie möglich, da ich unbedingt einen unscharfen Hintergrund möchte. Dadurch wird der Pilz vom Hintergrund freigestellt, er hebt sich also vom Hintergrund ab. Diese Technik hilft mir, etwas von dem Chaos, was im Wald herrscht, zu reduzieren. Der Betrachter schaut auf den Pilz nimmt den Rest nur am Rande wahr.

Die Kameraeinstellungen auf einem Blick

Das Kit-Objektiv hat eine Anfangsblende von 3.5-5.5 Das ist eher etwas lichtschwach und richtig verwaschen und butterweich wird der Hintergrund damit nicht, schon gar nicht bei so kurzen Brennweiten, aber man kann damit sehr gut arbeiten, wenn man bei der Bildgestaltung den Hintergrund mit einbezieht.  

Die Gestaltungsregeln sind die gleichen wie sonst auch, Drittelregel, goldener Schnitt und so weiter gelten hier auch, auf Komplementärfarben kann man hier achten und Linienführung kann auch hier interessant sein.

Reflektoren 

Im Wald gibt es sehr viele Schatten, aber auch viele Lichtflecken. Das Licht ist sehr ungleichmäßig verteilt, was das Fotografieren im Wald einen besonderen Reiz verleiht. Allerdings liegen oftmals Bereiche im Schatten, die wir gerne etwas heller hätten. Für solche Fälle gibt es Reflektoren

Möchte man so kleine Objekte wie Pilze fotografieren, benötigt man keine großen Reflektoren. Hier kann man sich sehr gut mit Alufolie oder reflektierenden Verpackungen und Ähnlichen behelfen. Ich hatte natürlich nicht daran gedacht, welche mit zu nehmen, hatte aber eine weise Plastiktüte einstecken, welche auch ein wenig Licht ins Dunkel brachte. Kleine Taschenlampen oder die Lampe eines Smartphones können auch recht nützlich sein.

Livehack – Eine Tüte als Reflektor.

Hier kann man gerne etwas experimentieren. Pilze haben den Vorteil, das nicht einfach weglaufen. Man hat also viel Zeit zum knipsen.

Fazit

Fotografieren von Pilzen ist gar nicht so schwer. Die Pilzsuche ist hier wohl die grösste Herausforderung. Leider hatte ich viel zuviel  Kram dabei, und konnte den kleinen Ausflug so kaum genießen. Zwei Kameras, zwei Stative, ein paar Objektive und der übliche Kleinkram sind schon recht viel, wenn man im Wald unterwegs ist. Der Rückweg wurde dann noch anstrengender, weil die Pilze ja auch noch mit mussten. Aber es hat sich gelohnt und die Bilder sind erstmal auch nicht schlecht. Im zweiten Teil werde ich beschreiben, wie ich eines der Bilder bearbeitet habe. Diese Bild kann man dann auch wieder herunterladen.

Bild des Tages 

Auf fast jeder Foto-tour mache ein Foto, mit dem ich ganz zufrieden bin. Nicht jedes Foto ist ist wirklich toll, oftmals macht man auch nur Mist. Mal etwas verwackelt oder schlechtes Licht. Manchmal entdeckt man erst am Rechner, wie hässlich der Hintergrund ist, oder das ganze Bild ist eigentlich nur langweilig. Aber mindestens ein Bild sticht immer hervor. Deshalb sollte es auch etwas mehr Aufmerksamkeit bekommen und man kann ihm schon man einen eigenen Absatz widmen. Deshalb darf ich stolz das Bild des Tages präsentieren:

Nicht das Schönste, aber das beste Bild des Tages

Einführung in die Bildbearbeitung

Bildbearbeitung: Wir bearbeiten Deine Bilder!

darktable: RAW-Entwicklung #1 Abendstimmung

Wandkalender 2019 Russland oder Norwegen

 

12 Kommentare

  1. Ich liebe es Schwammerl zu sammeln um sie dann zu kochen oder zu braten. Letztens haben wir ganze 36 Steinpilze an einem kleinen Fleck gefunden! Die sind dort über Nacht nur so aus der Erde geschossen! Und wie die geschmeckt haben …. hmmmmm … einfach lecker 😉

    Spinzenminzige Grüße, Iris ?

  2. *seufz* Der Beitrag erinnerte mich gerade an meine Kindheit. Bin damals viel mit meinem Opa und mit meinem Papa in den Pilzen gewesen. Am liebsten mochte ich gebratene Pilzkappen. Und es hatte immer ein bisschen was von einer Schnitzeljagd, einen genießbaren Pilz zu finden. Also für mich, die Erwachsenen konnten das besser.
    Die Bilder sind toll geworden, auch wenn dafür ganz schön Gepäck mit zu führen war.

    Liebe Grüße,
    Mo

  3. hach da ruft ihr mal wieder eine schöne Erinnerung aus der Kindheit in mir wach! wir waren früher auch viel auf Pilzsuche – gerade jetzt ist ja die richtige Jahreszeit, obwohl es dieses Jahr hier in Deutschland wohl etwas sehr trocken war!

    cool auch das Making off im Video-Format 🙂
    und zum Schluss vl nicht das schönste Foto, aber sicher das leckerste!

    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von liebewasist.com

  4. Wieder ein toller und informativer Beitrag. Ich bin ja gar nicht so der “Schwammerl” Liebhaber und weiß deswegen nicht wo ich welche finde. Aber, und jetzt kommts, fotografieren würd ich sie wohl auch. Und da ich zufällig so ein Objektiv besitze, werde ich das wohl zusammenbringen. – Ich geh mal auf die Suche…

    Alles Liebe,
    Julia
    https://www.missfinnland.at

  5. Liebe Ina,

    ein wunderschöner und inspirierender Beitrag! Ich bin so gerne im Wald unterwegs … aber habe noch nie all die schönen Details im Wald eingefangen. Jetzt werde ich mit offenen Augen durch die Natur gehen und auf jeden Fall meine Kamera mitnehmen.

    Hab einen schönen Abend!
    lg
    Verena

  6. WOW! Ich glaube für die essenstechnische Pilzsuche wäre ich trotz Beratung zu sehr Schisser … aber die Idee mit der Kamera auf Pilzsuche zu gehen finde ich genial! Ich glaub ich mach morgen mal mit dem Hund einen ausgiebeigen Waldspaziergang… Danke für die INspiration!

  7. Wow, haben letztens noch einen Bericht im TV über Pilzsuche gesehen und wusste gar nicht, dass man tatsächlich so viele verschiedenen Pilzarten in den Wäldern finden kann.
    Ich hätte ja ein bisschen Angst, einen giftigen zu erwischen 😀

    Viele liebe Grüße Anja

  8. Das Making-of hat mich schon auf Facebook sehr amüsiert 😉 Pilze im Wald sind tatsächlich ein sehr dankbares Motiv, weil sie ja auch noch so hübsch sind. Wenn wir mal einen finden und ihn nicht sowieso ernten und mitnehmen, muss ich leider immer höllisch aufpassen, dass mein Ninja-Sohn sie nicht sofort köpft oder zerstört – kennt ihr das auch? Seufz…

    LG
    JEnny

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