Wladiwostok -Tief im Osten

Wladiwostok, bedeutet  ganz provokant: Beherrsche den Osten! Selbst die Leninstatur gegenüber dem Bahnhof weist ausladend hin zum Pazifik!

Die Endstation der Transsibirischen Eisenbahn ist auf Schienen 9288 km, Luftlinie rund 6500 km von Moskau entfernt und ganze 7 Zeitzonen. 

Hier zeigt er ganz energisch gen Pazifik Wladiwostok

Aber nur 100 km von der chinesischen Grenze, also eine Stadt wirklich tief im Osten und eine wichtige Hafenstadt am Pazifik.

Geschichte Wladiwostok

Die Stadt hat eine bewegte Geschichte und durch ihre Lage am Pazifik spielt sie eine wichtige Rolle damals und auch heute. Einst gehörte Wladiwostok zur äußeren Mandschurei, also zu China. Nach dem Russland im 19.Jahrhundert seine Vormachtstellung in Zentralasien und dem fernen Osten auszubauen, musste China Wladiwostok an Russland abtreten. Es wurde ein Hafen und ausgefeiltes Festungssystem gebaut. 

Mit dem Bau der Transsibirischen Eisenbahn 1903 begann der Wirtschaftliche Aufstieg dieser Hafenstadt im Osten. Durch Goldfunde kamen Glücksritter und es herrschten ähnliche Zustände wie im Wilden Westen Amerikas. Auch drei Deutsche hatten maßgeblichen Anteil am wirtschaftlichen Aufstieg Wladiwostok, zwei Hamburger , Kunst und Albers, und ein Thüringer gründeten 1865 ein Handelsunternehmen,das die Region im Osten mit Waren aus Europa versorgte.Das deutsche Warenhaus”Kunst und Albers” bestand bis 1930 und das Haus existiert heute noch und es befindet sich ein Kaufhaus der bekannten Kaufhauskette “GUM” darin.

In der Sowjetunion war die Stadt bis 1991 für Ausländer gesperrt und auch Sowjetbürger kamen nur mit Genehmigung in die Stadt. Es war der militärische Hafen der Sowjetunion und damit waren auch die Einwohner mehr oder weniger alle mit dem Militär verbunden. Das sieht man auch heute noch, obwohl die Stadt soweit im Osten liegt, sehen die meisten Einwohner schon sehr russisch aus, weniger Asiatisch, wie in Irkutsk oder Ulan-Ude.

Nach dem Ende der Sowjetunion folgte wie in ganz Russland erstmal ein Niedergang der Wirtschaft, doch nun besinnt sich Wladiwostok auf seine gute Lage und ist ein wichtiges Wirtschaftszentrum im ostasiatischen Raum.

Sehenswürdigkeiten in Wladiwostok

In der Altstadt findet man so einige Jugendstilhäuser, viele schon schön renoviert. Um das Stadtzentrum herum findet man unzählig viele Plattenbauviertel, je nach Entstehung Stalinkas und Chruschtschowkas genannt. Die Stalinkas sind eher noch verziert an Türen und Fenstern, die Chruschtschowkas eher schmucklos. Verwirrend viele Eingänge und wie in Russland üblich immer ohne Namensschildern.

Was auffällt an diesen Plattenbauten, es finden sich rundherum immer kleine grüne Gärtchen, oftmals wunderschön gepflegt mit ganz viel liebevolle Details,da wird das kleinste grüne Fleckchen ausgenutzt, oft hat man die alten Babuschkas in diesen Gärten arbeiten sehen und mit Freude in ihren kleinen Gärten sitzen sehen.

kleine Gärtchen um die Plattenbauten

Eines der schönsten Gebäude in Wladiwostok ist der Bahnhof.

Überall in der Stadt finden sich, wie in Russland üblich Denkmäler für den 2.Weltkrieg, oder dem großen Vaterländischen Krieg wie er in Russland genannt wird, oder auch Denkmäler zum Bürgerkrieg 1917-1922 und er Gründung der Sowjetunion.

Der Nikolaibogen wurde für den Besuch des Zarens Nikolai des II. gebaut, der die Stadt im Rahmen des Baus der Transsibirischen Eisenbahn besuchte. Heute ist es nur noch ein Nachbau, da viele an die Zarenzeit erinnernde Sachen in der Sowjetzeit zerstört wurden.

 

Sehenswert ist das Ozeanum und das Festungsmuseum nicht weit von der Strandpromenade.

Auch sonst lohnt sich ein Bummel an der Strandpromenade, dort verbringt man gerne den Sommer, beim flanieren, Essen und den Straßenkünstler zu sehen.

Dann der Besuch des Aussichtspunktes Eagles Nest welchen man mit einer Standseilbahn oder mit dem Auto erreichen kann. Welches wir gar nicht so richtig besucht haben , da die Kleinste Maus bei unserem Besuch ja nicht so richtig fit war.

Sehr beeindruckend zu sehen sind die Brücken in der Stadt einmal die Solotoi-Brücke und die  weltweit grösste Schrägseilbrücke die Russki Brücke mit 1104m Stützweite. Beide 2012 eingeweiht, beide ohne Fußgängerwege, also nur mit Autos zu befahren.

Solitoi Brücke

Es gibt nicht sehr viele Touristen in der Stadt, einige asiatische Reisegruppen oder eben Reisende die mit der Transsibirischen Eisenbahn nach Wladiwostok kommen.

Wladiwostok ist eine Stadt die ziemlich bergig liegt, also wenn man zu Fuß unterwegs ist, eine gute Trainingsmöglichkeit.

Fazit:

Die Stadt hat ziemlich mit Umweltproblemen zu kämpfen, auch wo wir dort waren war es sehr diesig in der Stadt. Die Probleme haben damit zu tun, das es vor allem stark verschmutzende Industrien sind die sich dort befinden und auch durch die geografische Lage, da die Stadt in einer Art Kessel liegt und die verschmutzte Luft nicht so einfach weggeweht werden kann.

Sonst wirkt Wladiwostok sehr offen und recht lebhaft, vor allem an der Strandpromenade spielt sich das Leben im Sommer ab, aber auch so einige urbane Viertel gibt es in der Stadt, mit interessanten Cafes und Restaurants und den obligatorischen Karaoke Bars.

Auf passen muss man auf den doch recht”wilden” Straßenverkehr. Da muss man schon sehr aufpassen wenn man eine Strasse überqueren will.Viele Autos werden aus Asien importiert und sind für den Linksverkehr ausgelegt. Oder es fehlt plötzlich einfach mal ein Gullideckel. 

Eine typische russische Stadt zwar ganz weit weg von Moskau, doch mit dieser typischen Mischung von Bauten aus der Sowjetzeit, modernen Bauten und der orthodoxen Kirche. So wird gerade eine große Kirche in Wladiwostok gebaut.

 

 

Letztes Update der Vorbereitung und Packliste Transsibirische Eisenbahn

Unsere Reise mit Kindern in der Transsibirischen Eisenbahn -Rückblick Teil 1

 

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4 Wochen mit der Transibirischen Eisenbahn ein kurzes Statement

Was macht man eigentlich die ganze Zeit in der Transsibirischen Eisenbahn?

 

 

 

 

 

14 Kommentare

  1. Also die Stadt selbst spricht mich trotz deines tollen Reiseberichts leider überhaupt nicht an. Russland gehört aber prinzipiell nicht so sehr zu meinen bevorzugten Reisegebieten. Mit der Transsibirischen Eisenbahn würde ich aber trotzdem gerne einmal reisen 😉

    Sprinzenminzige Grüße, Iris 😉

  2. Irgendwie reizt mich Wladiwostock doch nicht so sehr. Es ist zwar interessant, die Stadt zu sehen, aber auf meiner Reisewunschliste stehen dann doch eher andere Städte. Wie gut spricht man dort eigentlich Englisch? Oder kommt man nur mit Russisch weiter?

  3. Russland hat so viele Gesichter. Wenn Otto Normalverbraucher an das Land denkt, fällt einem wohl vor allem Moskau und Tschernobyl ein. In meinen Augen ist Wladiwostok ein Thema für jemanden, der schon öfters in dem Land unterwegs war und ein trainierteres Auge bekommen hat, was diese Stadt ausmacht. Ich sehe in Deinen Bildern den eigenwilligen Charme, des Ostblocks, der langsam überall sonst in den anderen ehemaligen Ostblock Mitgliedern und in Russland selbst verschwindet. Ich finde du hast, in Bild und Text, die Atmosphäre dieser Stadt sehr gut eingefangen.

  4. Ich finde Russland ja grundsätzlich spannend. Wir waren vor 2 Jahren in St. Petersburg. Obwohl wir schon in Asien und Co waren, war es ein richtiger Kulturschock für mich. Diese Stadt sagt mir nun nicht so sehr zu, obwohl dein Reisebericht echt gelungen ist, aber das macht ja nichts. Hab ich trotzdem gern gelesen! 🙂

    Liebst,
    Sarah von http://www.vintage-diary.com

  5. Russland hat viele Gesichter und Moskau und ein paar andere Städte stehen schon lange auf meiner Wunschliste. Wladiowostok reizt mich aber ehrlich gesagt nicht so sehr … das werde ich dann lieber auslassen ;-). Danke trotzdem für die interessante Vorstellung.

    Liebe Grüße
    Verena

  6. Liebe Ina,

    ich bin generell kein Typ für Länder in denen es tendenziell kalt und grau wird. Ich wohne in Berlin, sibirische Winter habe ich für meinen Geschmack hier schon gehabt. Es gibt sicherlich besondere Ecken, aus Prinzip steht die Transib auf meiner Bucket Liste, auch Moskau will ich irgendwann mal gesehen haben. Wladiowostok muss allerdings wirklich nicht sein. Wie du schon sagst, es ist eine Stadt mit viel Industrie und irgendwie erscheint sie mir kalt und grau. Russisch, grau. Sollte ich je die Fahrt mit der Transsib machen, weil man sie mir so oft nun ans Herz gelegt hat, dann wird ja auch mein Zug in Wladiowostok enden und vielleicht flüchte ich ja nicht, sondern lass mich überzeugen, dass es netter ist, als ich dachte.

    Liebe Grüße,
    Nika von http://www.vintasticworld.com

    1. Also im Winter ist es in Sibirien und auch Wladiwostok eher sehr heiß.Die Stadt hat schon auch ihre Besonderheiten und die Innenstadt ist sehr nett und sehenswert genauso wie die Strandpromenade.

      LG Ina

  7. Was die Topographie der Stadt betrifft, so dürfte das dann so ähnlich wie in Stuttgart sein. Hier ist auch Kessellage und entsprechend oft gibt es bei Inversionswetterlagen miese Luft. Nur dass vermutlich in Wladiwostok die Luftverschmutzung per se noch etwas höher sein wird – aber ganz abgesehen davon bietet die Stadt unglaublich gute Fotomotive – insofern wäre das für mich durchaus eine Reise wert und natürlich auch gerne mit der Transib.
    Viele Grüße
    Salvia von Liebstöckelschuh

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