Quicktipp: Ganz nah dran – Teil 3 – Zwischenringe

Nach dem ich in den letzten beiden Teilen, die Nahlinsen und den Retroadapter vorstellte, geht es nun um die Zwischenringe.

Kamera mit montierten Zwischenringe.
Kamera mit montierten Zwischenringen.

In der Makrofotografie dreht sich alles um den Abbildungsmaßstab. Dieser beschreibt, in welchem Größenverhältnisse das Motiv auf dem Sensor gebannt wird. Ab einem  einem Abbildungsmaßstab von 1:2 spricht man von Makro. 1:2 bedeutet, dass das Motiv halb so groß, wie es in Wirklichkeit ist, auf dem Sensor abgebildet wird. Das erlaubt uns schon sehr viele Details wahrzunehmen, die wir mit dem bloßem Augen kaum erkennen würden. Makroobjektive haben in der Regel einen Abbildungsmaßstab von 1:2 oder gar 1:1, sind aber für gelegentliche Makro-Knipsereien viel zu teuer.

Makroaufnahme einer Löwenzahnblüte
Löwenzahn

Eine wesentlich günstigere, aber nicht wirklich schlechtere, Methode, ist der Einsatz von Zwischenringen. Diese Ringe werden zwischen Kameragehäuse und Objektiv montiert. Sie beinhalten keinerlei Optik, und mindern somit die Qualität in keinster Weise, vergrößern aber den Abbildungsmaßstab. Die einzigen Anforderungen, die an die Ringe gestellt werden, sind: sie sollten einigermaßen Stabil sein, und keinerlei Licht von den Seitenwänden einfallen lassen.

Es gib die Zwischenringe für so ziemlich jede Kamera. Egal ob Olympus, Sony, Cannon, Nikon oder was auch immer.  Es gibt einfache Ringe, ohne Elektrik, die zwar sehr günstig sind, mit denen man aber die Blende nicht mehr steuern kann. Und es gibt etwas teurere, welche mit elektronischen Kontakten, mit denen man die Blende einstellen, und den Autofokus nutzen kann.

Kleine blaue Blüte
Die kleine Blüte ist nicht grösser als 1 cm

Bei den günstigeren Ringen ist die Blende immer komplett geöffnet, somit fällt sehr viel Licht auf den Sensor, was sich zwar sehr gut auf die Belichtungszeit auswirkt, allerdings ist dann die Tiefenschärfe sehr gering. Den Autofokus sollte man in der Makrofotografie eh nicht verwenden. Man stellt die Schärfe ein, indem man mit der Kamera, etwas vor oder zurück fährt.

Die Zwischenringe bestehen meist aus drei oder vier einzelnen Ringen, mit unterschiedlicher Breite. Man kann die einzelnen Ringe beliebig miteinander kombinieren, und somit den gewünschten Effekt für das jeweilige Objektiv erzeugen.

Blaubeerblüte
Blaubeerblüte

Man kann wirklich jedes Objektiv mit den Zwischenringen nutzen. Hier darf man gerne etwas experimentieren. Man kann sogar ein Makroobjektiv einsetzen und damit dem Abbildungsmaßstab noch weiter vergrößern.  Nicht jedes Objektiv eignet sich gleichermaßen. Die besten Resultate erzielte ich mit kleineren Brennweiten. Das Kitobjektiv hatte hier mal wieder die Nase vorn.

Die Nachteile der Zwischenringe

Ja, die gibt es auch. Irgendwas ist doch immer.

Ein Nachteil ist, dass die Zwischenringe etwas Licht schlucken. Das wirkt sich negativ auf die Belichtungszeit aus. An hellen Sommertagen spielt das aber weniger eine Rolle. Hier kann und sollte man sich mit einem etwas höheren ISO behelfen.

Zum anderen kann man mit dem Objektiv nicht mehr auf Unendlich fokussieren.  Das bedeutet in der Praxis, dass man mit den Zwischenringen nur Makrofotos machen kann. Für „normale“ Bilder muss man die Ringe wieder entfernen. Das ist aber nur ein Problem, wenn man schnell das Motiv wechsel will.

Regentropfen auf einem Tulpenblütenblatt.
Regentropfen auf einem Tulpenblütenblatt.

Mein Fazit:

Wer meint, Zwischenringe seien nur eine billige Alternative, der täuscht sich ganz gewaltig. Es ist unglaublich, was man mit diesen Ringen alles anstellen kann. Der Abbildungsmaßstab ist so groß, das anständige Makros ohne Problem möglich sind. Während Retroadapter auf Grund der geschlossenen Blende und der Eigenart, das man das Objektiv verkehrt herum bedienen muss, eher etwas windig wirken, kann man mit den Ringen wirklich komfortabel arbeiten.

Damit ist diese Quicktipp-Reihe vorerst abgeschlossen. Falls ich mal eine Balgengerät oder ähnliches zwischen die Finger bekommen sollte, werde ich davon berichten. Beim nächsten Schulterblick werde ich ausführlich beschreiben, wie die Bilder hier entstanden sind, und natürlich gibt es dann auch wieder neue Bilder.

 

Winzige Regentropfen an einer Tulpe. Zwischenringe

 

Affiliate Links:

Quicktipp: Ganz nah dran – Teil 1

 

Quicktipp: Ganz nah dran – Teil 2 – Retroadapter

 

 

9 Kommentare

  1. Wieder ein toller Beitrag aus Deiner Reihe. Ich habe nur einen Zwischenring, ansonsten setze ich doch eher auf unterschiedliche Objektive. Gerade Makrofotografien liebe ich ja auch.
    Wirklich klasse und einfach verständlich erklärt.

    Ein schönes Wochenende wünscht
    Sandra

  2. das ist wieder so ein „Gadget“ mit dem ich bisher noch gar nicht auseinander gesetzt habe, z.T. eben auch, weil ich nicht so viel „makro-fotografiere“ 😉
    ich finde es aber echt genial, dass man so einfach mit den Zwischenringen einen tollen Effekt bekommen kann – ganz ohne extra Retroadapter!!! die Ergebnisse finde ich mal wieder wunderschön – v.a. die Blaubeerblüte 🙂

    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von liebewasist.com
    Liebe was ist auf Instagram

  3. Was für ein toller Fotografiebeitrag von euch! Ich wusste bisher nicht einmal dass es Zwischenringe gibt, geschweige denn wofür die gut sind. Vielen Dank für die tolle Erklärung und die super Tipps. Ich glaube ich werde mir auch so einen Zwischenring kaufen und ein bisschen experimentieren.

    Vielen Dank und schönen Abend!
    Verena

  4. Ach jetzt checke ich, wozu diese Ringe sind 😀 Sehr toller Beitrag und mega interessant. Ich lerne ja beinahe täglich an und mit meiner Kamera. Ich war lange ein Sony Fan aber irgendwann bin ich an meine Grnezen gekommen und bin dann auf Empfehlung auf Canon umgestiegen und irgendwie klappt es jetzt schon ganz gut. Aber oft bin ich für den M Modus zu ungeduldig 😀

    Liebe Grüße
    Nadine von tantedine.de

    1. Den M-Modus nutze ich auch nur sehr selten. Eigentlich nur, wenn ich mehrere Bilder, mit exakt den gleichen Einstellungen brauche. Also zum Beispiel für Panoramen oder Zeitraffer. Oder bei ganz schwierigen Lichtsituationen. Ansonsten nutze ich lieber die Halbautomatiken in Kombination mit der Belichtungskorrektur. Das geht einfach schneller und ist wesentlich komfortabler. Hab einen schönen Sonntag. LG Nico

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert