Fotobearbeitungs Challenge #10 – Sonnenuntergang Los Angeles

Die Jansens laden auf auf ihrem Blog Jansens Pott mal wieder zu einer Fotobearbeitungs Challenge und wir sind nach langer Pause auch wieder mal mit dabei.

Diesmal dürfen wir das Bild von einem Sonnenuntergang über Los Angeles bearbeiten und ich gebe zu, dass ich dabei ganz schön ins schwitzen gekommen bin. Es ist ein schönes Bild, aber es gab doch einige Hürden zu meistern.

Das Bild ist eine HDR Aufnahme, die aus drei Bildern besteht. Wer das nicht kennt, kurz zur Erklärung:

Gelegentlich kommen wir in Situationen, in denen das Licht so hell und die Schatten so dunkel sind, dass wir uns entscheiden müssen, ob wir die Lichter ausbrennen lassen oder die Schatten in der Schwärze versinken. Das würde in diesem Fall bedeuten, dass entweder der schöne Himmel viel zu hell (meistens nur noch weiß) wird, oder die Landschaft viel zu dunkel wird. Unsere Augen können mit so einer Situation locker umgehen, aber unsere Kameras können das oftmals nicht. In so einem Fall kann man sich mit einer Belichtungsreihe behelfen, in der mehrere Bilder mit verschiedenen Verschlusszeiten macht und diese dann am Rechner zusammenfügt. Ziel ist es, dass jeder Helligkeitsbereich richtig belichtet wurde.

Natürlich verwende ich für die Bearbeitung wieder darktable. Anstelle der tiff-Datei habe ich mir die drei Raw-Dateien heruntergeladen und mit darktable zu einem Bild zusammengefügt. Der Vorteil besteht darin, dass ich bei der Bearbeitung nicht eingeschränkt bin und das HDR-Bild wie ein normales RAW-Bild bearbeiten kann. Bei tiff-Dateien habe ich zwar immer noch eine sehr hohe Farbtiefe, aber die Bearbeitung der Farben und Helligkeitsbereiche geht mit RAW einfach besser. Auf der anderen Seite komme ich aber mit der tiff-Datei zu ganz anderen Resultaten, die auch nicht unbedingt schlecht sind. Am Ende des Beitrages zeige ich euch das Bearbeitete tiff-Bild.

Das rohe, unbearbeitete HDR-Bild.

Beschnitt und Belichtung

Auch in der Bildbearbeitung ist ein wenig Routine ganz nützlich. Ich beginne immer damit die Bilder gerade zu rücken, sie zu beschneiden und eventuell die Belichtung zu korrigieren. Damit schaffe ich mir erst einmal eine Grundlage, mit der ich arbeiten kann.

Wenn man das Bild in einer vergrößerten Ansicht betrachtet, wird schnell klar, dass das Bild etwas nach rechts kippt. Das Modul „Drehen und Perspektive“ kann zwar Bilder automatisch ausrichten, aber hier funktionierte das einfach nicht. Ich habe mich dann einfach an den Hochhäusern orientiert und das Bild manuell ausgerichet.

Das Bild ist jetzt aber im ganzen ziemlich dunkel, deshalb wir es noch ein wenig aufgehellt. Das kann man einfach mit dem Mausrad im Histogramm erledigen. Dabei wird allerdings eine Sache leider ganz schnell offensichtlich: Der Vordergrund ist zu dunkel und durch weiteres Aufhellen wird schnell ein hässliches Rauschen sichtbar. Mit jedem weiteren Arbeitsschritt wird sich das auch noch verschlechtern. Erfahrungsgemäß werden hier am Ende sehr viele Details fehlen und die Farben werden nicht schön aussehen.

Die Kamera ist schon etwas älter und vor 10 Jahren (so alt ist das Bild nämlich) waren die Sensoren noch nicht so leistungsfähig wie heute. Das merkt man besonders wenn man dunkle Bereiche aufhellen möchte. Deshalb habe ich mich dazu entschieden den Vordergrund einfach zu entfernen- Positiver Nebeneffekt: der schöne Himmel bekommt jetzt mehr Aufmerksamkeit.

Nach dem Beschnitt

Filmic RGB

Das Modul „Filmic RGB“ hat zwar einen komischen Namen, ist aber zweifelsfrei das Beste was man seinen Bildern antun kann. Mit diesen Modul kann die Dynamik eines Bild stark beeinflussen. Man nutzt es um Schatten aufzuhellen und Spitzlichter abzudunkeln. Man kann damit die Stimmung eines Bildes stark beeinflussen. Eine komplette Beschreibung des Moduls würde den Rahmen hier sprengen. Ich habe damit die dunklen Bereiche noch etwas heller bekommen und die extrem hellen Flecken im orangenen Bereich retten können.

Jetzt wird aber immer deutlicher sichtbar, dass die Landschaft sehr diesig ist. Mit dem Modul „Dunstentfernung“ kann man dem ein wenig entgegen wirken, aber wirklich klar wird das Bild nicht. Das macht aber nichts, dann arbeiten ich eben mit wenig Kontrast. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und schraube den Kontrast in „Filmic RGB“ noch etwas runter. Jetzt wirkt das Bild etwas verträumt.

Diesig und ein wenig verträumt.

Sättigung und Lebendigkeit

Ein richtiger Sonnenuntergang lebt von seinen Farben. Allerdings kann man nicht einfach die Sättigung erhöhen, weil so ein Bild dann sehr schnell unnatürlich und übersättigt wird.

Das erste was ich mache ist eine automatische Korrektur des Weisabgleichs. Dazu verwende ich das Modul „Farbkalibrierung„. Das Modul ist recht neu bei darktable, aber für mich nicht mehr wegzudenken. Bei der Farbkalibrierung wird im Grunde der richtige Weißabgleich anhand der vorhanden Farben berechnet. Das funktioniert meistens ziemlich zuverlässig und wenn nicht, kann man immer noch ein wenig nachjustieren.

Nach der Farbkalibrirung wird der Kontrast zwischen blau und orange besser hervorgehoben.

Um die Sättigung zu erhöhen, verwende ich die Module „Farbkurve, Farbbalance RGB und Farbbereiche“ Hier kann man sich nach Lust und Laune austoben. Darktable bietet eine Reihe weiterer Werkzeuge, um die Farben eines Bildes zu beeinflussen, diese Drei gehören zu meinem Standartwerkzeugen.

Mit der Farbkurve erhöhe ich die Sättigung im LAB Farbraum, mit Farbbereiche ändere ich die Sättigung und Helligkeit bestimmter Farben und mit Farbbalance RGB passe ich die Lebendigkeit und Sättigung an.

Wichtig ist mir bei diesem Bild, das ich mich bei der Bearbeitung mehr auf den Himmel konzentriere. Deshalb empfiehlt sich hier der Einsatz von Masken. Die meisten Module bieten die Möglichkeit Bereiche zu maskieren, die bearbeitet werden sollen. Von einfachen gezeichneten Masken, bis hin zu komplexen parametrischen Masken steht eine große Auswahl bereit Ich verwendete hier Verlaufsmasken, weil es durch den geraden Horizont am einfachsten umzusetzen war.

So langsam kommt Farbe ins Spiel

Abschluss

Das Bild ist im Grunde schon ganz okay, aber noch nicht wirklich der Brüller. Da fehlt einfach noch ein wenig Dramatik. Der Himmel ist für meinen Geschmack noch etwas zu blass. Die Stadt im Vordergrund sieht dafür aber schon ganz gut aus.

Deshalb kommt das Modul „Verlaufsfilter“ zum Einsatz. Dieses Modul simuliert die Verlaufsfilter, wie man sie aus der Landschaftsfotografie kennt. Ich legen ihn einfach über den Himmel und erhöhe die Dichte ein wenig.

Dabei ist mir besonders im Himmel ein deutliches Rauschen aufgefallen, deshalb hab ich noch das Modul „Entrauschen (Profil)“ aktiviert. Dieses Modul richtet sich nach dem ISO-Wert, mit dem das Foto aufgenommen wurde und kümmert sich um die richtige Einstellung. Nur selten muss man hier etwas nachhelfen.

Das Bild wirkt jetzt wesentlich dramatischer

Das sieht schon ganz gut aus, allerdings mir ist der Vordergrund viel zu dunkel, aber das lässt sich mit dem Modul „Tonwert-Equalizer“ schnell beheben. Dieses Modul ist ebenfalls ganz neu und zeigt wie innovativ darktable sein kann. In diesem Modul kann man die einzelnen Helligkeitsbereiche einfach mit dem Mausrad direkt im Bild anpassen. Das klingt vielleicht simpel, aber es ist unfassbar komfortabel und natürlich wie gewohnt durch viele Optionen sehr flexibel.

Der Vordergrund ist jetzt nicht mehr ganz so dunkel, was das Bild etwas gefälliger macht.

Das Orange das Himmels gefällt mir allerdings nicht so richtig, die Sättigung ist zu stark und etwas zu dunkel ist es mir auch. Deshalb öffne ich eine weitere Instanz des Moduls „Farbbereiche“ bessere etwas nach. Auch das Blau habe ich noch ein wenig aufgehellt und gesättigt.

Sonnen untergang Los angeles
Das fertige Bild

Damit wäre ich auch schon fertig. Die Bearbeitung ist im Grunde nichts besonderes, die Arbeitsschritte sind die selben, wie bei anderen Bildern auch. Nur durch die dunklen Bereiche musste ich ein wenig in die Trickkiste greifen.

Bildbearbeitung ist in erster Linie Geschmackssache. Gerade wenn man mit RAW arbeitet, hat man unzählige Möglichkeiten und hier kommt es halt auf die Kreativität und die eigenen Fähigkeiten an. Ich hätte das Bild auch viel heller gestalten können, oder die Landschaft im Vordergrund mit einbeziehen können. Ich mag diese fast schon mystische Szene, aber ich bin wirklich gespannt was die anderen Teilnehmer für Resultate liefern.

Die TIFF-Datei

Ich bin neugierig und deshalb habe ich das Tiff-Bild trotzdem bearbeitet und wollte einfach mal den Unterschied sehen. Ich habe das Bild aufgehellt, was erstaunlicherweise besser ging, als bei dem RAW Bild. Aber dann kam es bei der weiteren Bearbeitung immer wieder zu hässlichen Farbabrissen und anderen unangenehmen Unannehmlichkeiten. Es gelang mir einfach nicht das Bild genauso zu bearbeiten, wie es bei RAW möglich war, deshalb ging ich hier einen ganz anderen Weg. Der Vordergrund ist zwar ein ziemlicher Pixelbrei, aber die Stimmung ist wirklich super.

Diese beiden Beispiele zeigen wie unglaublich frei man in der Bearbeitung sein kann, wenn man in RAW fotografiert. Der Speicherbedarf ist zwar deutlich höher und man ist gezwungen wirklich jedes Bild zu bearbeiten, aber die Resultate sind es einfach Wert.

Das bearbeitete Tiff-Bild

Vielen Dank liebe Jansens, für die schöne Challenge! Es hatte wirklich Spaß gemacht!

Wer Fragen zur Bearbeitung oder zu darktable hat, kann sie gerne hier in den Kommentaren stellen.

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