Gedanken zur Europawahl 2019 aus dem tiefsten Osten

Die Peterskirche in der Glaskugel

Heute wieder einmal ein paar tagesaktuelle Gedanken von uns. Denn wie ihr wisst wohnen wir in Görlitz der östlichsten Stadt Deutschland, in Sachsen. Wie dieses Bundesland abgestimmt hat zur Europawahl 2019 und bei den Kommunalwahlen ging  genügend durch die Medien. Hier im Landkreis Görlitz ist das Ganze noch extremer:  AfD 32,4% CDU 24,9%  SPD 6,6% Linke 10,1% Grüne 6,3% FDP 3,7% , also die AfD stärkste Partei mit Abstand.

Wir wussten zwar das die Rechten hier stark sind und haben auch gesagt vor dem Umzug jetzt erst recht hierin die  Region, wir wollen die Gegend eben nicht den Rechten überlassen. Dieser Meinung sind wir immer noch. Hier in Görlitz fanden gleichzeitig auch noch Oberbürgermeisterwahlen statt und auch da gewann der Kandidat der AfD den ersten Wahlgang, zum Glück aber nicht mit absoluter Mehrheit, also ist noch ein zweiter Wahlgang am 16.6. nötig. Dort haben wir sozusagen die Wahl zwischen Pest oder Cholera, denn neben dem Kandidaten der AfD steht noch einer der CDU zur Wahl,die anderen zwei haben ihre Kandidatur zum zweiten Wahlgang aus verständlichen Gründen, nämlich einer Verhinderung eines AfD Oberbürgermeisters. Ich hoffe wenigstens das schafft die Stadt Görlitz.

Wie stellen uns, wie auch viele andere die Frage warum wird dieses braune Pack gewählt. Warum, was ist es das die Menschen hier eine Partei wählen die Verfassungsfeindlich, Menschen verachtend und Rassistisch ist. Wir finden keine Antwort! Ja klar ist hier noch einiges nicht in Ordnung, wenn ich an unterschiedlich Löhne und auch Arbeitszeiten denken, aber deswegen eine Partei wählen die solche Ansätze hat, die gegen die Demokratie ist und Rassistisch? Weil sie einfache Antworten bietet auf komplizierte Fragen? Das kann es doch aber auch nicht sein, die Welt ist weder Schwarz noch weiß und sie wird nun einmal immer komplizierter und somit müssen auch unsere Antworten, komplexer und komplizierter werden.

Auch die Wende und das Ende der DDR kann keine Erklärung sein, klar gab es so einige die ihr komplettes Leben ändern mussten, ja da kam die Treuhand und Investoren, aber Leute das ist 30 Jahre her und danach gab es genügend Möglichkeiten sein Leben neu zu ordnen und sich neu zu orientieren. Wenn ich da an meine Eltern denke, die hatten es in der Nachwendezeit auch nicht einfach, aber sie hätten niemals eine rechte Partei gewählt, denn sie waren froh über die errungene Demokratie und Freiheit! 

Wenn man mit AfD Wählern ins Gespräch kommt, was an sich relativ schwierig ist, dann wird so oft immer gesagt, ja aber die Ausländer! Wenn man den Anteil von Ausländern und Flüchtlingen hier anschaut,der liegt bei 3,8% hier im Landkreis. Fragt man dann nach, dann haben die meisten noch nie Kontakt oder auch nur ein Gespräch mit ausländischen Menschen gehabt, zumindest nicht mit Nichteuropäern. Da kommt glaube ich ganz stark die  Angst vor Neuem und dem Unbekannten zum Tragen.Kommt man dann noch mit Argumenten die die AfD widerlegen bzw. ihre wirkliche geistige Haltung zeigen,kommt dann meist gar nichts mehr. Wenn man dann hier im Kommunalwahlkampf, dann die Wahlparolen der AfD von mehr Grenzkontrollen usw.,entkräftet, was ein Oberbürgermeister gar nicht kann, da das Bundessache ist, wird man meist nur stehen gelassen.

Also wir wissen wirklich nicht an was es liegt, das hier so gewählt wurde. Am Wochenende waren wir in Köln,dort sah das Wahlergebnis ja anders aus AfD 6,17% und Grüne 32,88% und dort sind deutlich mehr ausländisch aussehende Menschen zu sehen, fehlende bezahlbare Wohnungen,  dort ist die Armut überall präsent, ob Obdachlose oder Menschen die Zigarettenkippen aus dem Müll klauben, also all das was die AfD Wähler hier fürchten und dort schneidet die AfD nicht  so ab wie hier.

Wir wissen es also wirklich nicht warum hier so gewählt wird und wissen es auch nicht warum sich die Menschen so abgehängt fühlen, wirkliche Argumente bekommt man selten heraus.

Aber es gibt hier auch immer noch die Mehrheit die gegen Rechts und eins zählt jetzt besonders: Aufstehen gegen Rechts zeigen das Görlitz bunt bleibt! Das Görlitz eine Europastadt ist. Dazu hat sich nach der Europawahl 2019 auch eine Aktion bei Facebook gebildet: Görlitz bleibt bunt!

Daniel Preißler der Initiator ist nach der Wahl mit der Idee aufgewacht, das nun Görlitz zeigen muss, das es eine weltoffene Stadt ist. Geplant ist bis jetzt eine Demo vor dem zweiten Wahlgang zur Oberbürgermeisterwahl,bin schon ganz gespannt was aus dieser Initiative noch wird, Potential hat sie auf jeden Fall, denn es ist gerade jetzt wichtiger denn je Flagge zu zeigen gegen Rechts!

Bitte an alle nicht Sachsen nach der Europawahl 2019

Bitte schert nun nicht alle Sachsen über einen Kamm und bitte kein Ossibashing, das brauchen wir nämlich gar nicht. Das ist eher Wasser auf die Mühlen der Rechten. Diskutiert, erklärt und zeigt wie das Zusammenleben geht. Fragt warum und versucht es euch erklären zu lassen und vor allem und ist das Wichtigste, nehmt die Sorgen der Menschen Ernst die hier leben. 

Unterstützt uns, die aktiv gegen Rechts aufstehen, lasst uns nicht allein!

Dann hoffe ich mal das am 16.6.Görlitz nicht als erste Stadt in Deutschland mit AfD Oberbürgermeister da steht! Daumen drücken und alle die hier wohnen ab an die Wahlurnen! 

Zeigt das Görlitz auch nach den Europawahlen 2019 eine offene Europastadt bleibt!

Altstadtbrücke die seit 2004 Görlitz und Zgorzelec verbindet

Mit dem Nachtwächter unterwegs in Görlitz

Görlitz mit Kindern Erlebnisse im Osten

Unser Besuch im Naturschutztierpark Görlitz

4 Kommentare

  1. Sie Situation ist erschreckend, aber wie Du schon sagst, wir sollten uns nicht von ihr lähmen lassen. Klärt sachlich auf und diskutiert leidenschaftlich. Wir holen uns diese Menschen und Stimmen zurück!
    Liebe Grüße aus Jena!

  2. Liebe Ina, das ist ein total interessanter Beitrag für mich. Gerade auch Deine Bitte, man möge nicht in Bashing verfallen. Wobei ich zwar sowieso nie drauf käme, alle Sachsen über einen Kamm zu scheren. Aber alle AfD-Wähler eben schon. Weil mich das so wahnsinnig erschreckt und ich mir einen einfach keinen Reim drauf machen kann. Du gibst mir viel zum Nachdenken. Danke Dir. Und liebe Grüße, Stefanie

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