Das Museum des 2.Weltkriegs in Gdansk

Bei unserer Interrail Reise durch Polen in Gdansk gehörte auch ein Besuch des Museum des 2.Weltkriegs dazu.

Das Muzeum II Wojny Światowej , „Museum des Zweiten Weltkrieges“, abgekürzt MIIWŚ wurde im März 2017 eröffnet. Ein beeindruckender Bau nur 200m, vom aus der Blechtrommel von Günther Grass bekannten, umkämpften Postamt in Danzig entfernt.

Das in einem Winkel von 56 Grad ragende Gebäude, passend zu Gdansks Architektur in aussen leuchtend ziegelrot, innen Sichtbeton. Ein 40m hoher Kubus, teilweise verglast.

Museum des 2.Weltkriegs in Gdansk
Beeindruckende Architektur

Das Museum des 2. Weltkriegs, soll die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft darstellen. Die Vergangenheit sind die 14m unter der Erde liegende Ausstellungsräume, wirklich ein bedrückendes Gefühl wenn man dort im Keller in den Räumen der Ausstellung ist. Die Gegenwart soll durch die Flächen rund um das Museum dargestellt werden und die Zukunft: der Turm des Gebäudes.

Streit um das Museum des 2.Weltkriegs in Gdansk

Das Museum ist in Polen schon seit der Beginn der Planung ein Streitpunkt, vor allem seit dem die PIS Partei in der Regierung ist. Das Museum, das weniger ein militärhistorisches Museum ist, sondern vielmehr ein Museum das den 2.Weltkrieg aus Sicht der Opfer des Krieges und dabei auch keine Gruppe auslässt.

Was der regierenden Partei PIS so gar nicht passte, den sie würden gerne ein Kriegsmuseum sehen, in der die Taten des polnischen militärischen Widerstands gewürdigt werden, sie kritisieren , das es ein Antikriegsmuseum geworden ist.

Was der Gründungsdirektor Paweł Machcewicz gerne bestätigte:

„Ja, Krieg ist etwas Schreckliches, das zeigen wir hier.“


Das macht das Museum des 2.Weltkriegs zu etwas ziemlich Einzigartigem. Darauf könnten sie so Stolz sein. Leider passt das der polnischen Regierung die zur Zeit an der Macht ist, sogar nicht und auch kein Vertreter der Regierung nahm an der Eröffnung des Museums teil.
Nach einem gerichtlichem Streit, das das Museum des 2.Weltkriegs mit dem 2015 gegründetem Museum der Westerplatte zwangsvereinigt und der Absetzung des Gründungsdirektors, wurden in der Ausstellung auch Teile verändert, so wurde die Zahl der von Polen geretteten Juden nach oben justiert und am Ende der Ausstellung läuft jetzt auch ein Film der den heldenhaften Einsatz des polnischen Militärs darstellt.
Das war mir vorher nicht bewusst, nur hatte ich als ich den Film sah, den Eindruck das der Film gar nicht passt, später habe ich dann die Hintergründe entdeckt.
Ein großer Streitpunkt ist in Polen eben auch der Umgang mit der Verantwortung als Täter, den auch Polen waren Teil dieses Systems, deutlich zu sehen am Pogrom in Jedwabne, wo eben auch Polen die Täter waren.



Der Aufbau des Museums des 2.Weltkriegs

Wie schon beschrieben soll das Museum des 2.Weltkriegs, den Krieg aus der Sicht der Zivilbevölkerung zeigen und auch Zusammenhänge auf der ganzen Welt. Ob in Asien oder Europa. Den Alltag in den besetzen Gebieten, die Not, den Hunger und den Terror.

2000 Exponate, die den Alltag im Krieg zeigen, die Hälfte davon Schenkungen oder Leihgaben, meist aus privatem Besitz. 4000 Fotos und viele Filmausschnitte werden im Museum gezeigt, dazu findet man noch viele Multimediastationen.

Es werden viele Dinge aus dem Alltag gezeigt, die viel Symbolkraft haben, ob die Haustürschlüssel von Juden die beim Pogrom von Jedwabne ums Leben kamen oder aber die Schiffsglocke der „Wilhelm Gustloff“, die mit vielen Flüchtlingen an Bord im Januar 1945 von einem russischen U-Boot in der Ostsee versenkt wurde und 9000 Menschen in den Tod riss.

Beeindruckend fand ich auch das eine nachgebaute polnische Strasse Ende der Dreißiger Jahre gezeigt wurde, man dort entlang flanieren konnte und dann am Ende der Ausstellung , die zerbomte und zerstörte Strasse am Ende des Krieges noch einmal gezeigt wurde. Das dort so eindrücklich zu sehen und zu erleben, lässt einen erahnen was Krieg bedeutet, welche Zerstörung dort stattfand. Vor allem unsere 9 jährige war davon sehr beeindruckt.

In dieser zerstörten Strasse steht dann auf den Trümmern ein sowjetischer Panzer T-34, auch als Symbol, das nach der Besatzung, mit dem Ende des Krieges, nicht in allen Ländern die Freiheit herrschte, sondern das neue Regime entstanden und das Panzer, wie dieser, die Aufstände in den 1950 Jahren in vielen osteuropäischen Ländern niederschlug.

Dabei kommt das Museum ohne viel Text aus, es setzt vor allem auf Audioguides. Ohne diese Audioguides, die in fünf Sprachen zur Verfügung stehen, würde man viele wichtige Informationen und auch den großen Zusammenhang des Museums nicht verstehen.

Fazit zum Museum:

Ein Museum das beeindruckt, das in dieser Art der Gesamtheit und Komplexität mit dem Umgang des Themas des 2.Weltkriegs einzigartig ist. Ein Museum das aus der Sicht der Opfer zeigt was Krieg bedeutet. Das Grauen zeigt und auch zeigt das auch unter den Opfern Täter zu finden sind.

Das darum eine solche Diskussion in Polen entstanden ist, zeigt wie fragil unsere Demokratie ist, wie wichtig es ist an diese Zeit zu erinnern und auch die Zusammenhänge weltweit darzustellen.

Museum des 2.Weltkriegs in Gdansk, Danzig Polen, Gebäude von aussen

Praktisches zum Besuch des Museum des 2.Weltkriegs:

Adresse:

W. Bartoszewski-Platz 1

80-862 Gdańsk 

Das Museum ist gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen und von der Rechtstadt, Główne Miasto, nur 20 Minuten zu Fuß entfernt.

Öffnungszeiten:

Dienstag – Sonntag, 10:00 bis 19:00 Uhr

Kasse: 9.30Uhr-17.00Uhr

Montag geschlossen

ebenso geschlossen an vielen Feiertagen wie Ostern und Weihnachten

Aktuelles findet man hier

Wir waren wie es sich als Frühaufsteher gehört gleich zur Öffnung da und es war relativ leer, später waren dann lange Schlangen an der Kasse (im Sommer). Es ist auch möglich online Tickets zu kaufen.

Eintrittspreise:(Stand Dezember 2019)

  • Normales Ticket – 23 PLN
  • Ermäßigungsticket – 16 PLN
  • Familienticket (2 Erwachsene und bis zu 3 Kinder bis 19 Jahre) – 55 PLN
  • Audioguide – 5 PL

10 Kommentare

  1. Eine sehr beeindruckende Architektur, die du uns zeigst.
    Auf mich wirken Gedenkstätten immer sehr bedrückend und beklemmend.
    Geschichte sollte sicher nicht überhand nehmen in unserem Leben, doch auch nicht in Vergessenheit geraten.

    Liebe Grüße, Katja

  2. Ich habe tatsächlich schon viel von diesem Museum gehört. Was mich interessieren würde: Sollte man sich vorher ein wenig einlesen oder bekommt man auch so einiges an Fakten vermittelt oder liegt der Schwerpunkt hier eher auf der Sicht der Zivilbevölkerung auf den Krieg? Lg Sigrid

  3. Solche Orte sollten eigentlich für jede Schulklasse zum Pflichtbesuch werden heutzutage. Im muss allerdings zugeben, gehört hatte ich von dem Museum bis gerade eben selber noch nichts. Daher DANKE auf alle Fälle auch für den Artikel – mal lernt ja immer noch dazu im Alter! Interessante Architektur so ganz nebenbei 🙂

  4. Das hört sich sehr interessant an. Wir haben vor einiger Zeit einen Roadtrip durch Polen gemacht. Dabei waren wir auch mehrere Tage in Danzig und drumherum unterwegs. Doch das Museum haben wir irgendwie nicht auf dem Schirm gehabt. Ein großer Fehler, wie ich hier gerade lesen.
    Viele Grüße
    Tanja

  5. Schöne Berichte über meine Heimatstadt habt ihr geschrieben. Ich habe noch Glück gehabt und konnte das Museum des 2. Weltkrieges noch vor der Übernahme durch die PiS besichtigen.
    Ich staune jedes Jahr, wie sich diese Stadt entwickelt hat. Sie war noch nie so schön wie jetzt, behaupte ich jetzt einfach.

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