Schloss Colditz- Jugendherberge, Museum und Geschichte

Nach unseren Umzug aus Norwegen wollen wir ja Deutschland (wieder)entdecken und so nutzten wir das letzte Wochenende dazu Sachsen zu erkunden, genauer gesagt Colditz, die Stadt an der Zwickauer Mulde.

Wir verbrachten das Wochenende in der Jugendherberge, die sich im Schloss Colditz befindet.

 Transparenz: wir wurden dieses Wochenende vom DJH eingeladen, erhielten kostenlose Unterkunft und Mahlzeiten, was unsere Meinung aber in keiner Weise beeinflusst.

Schloss Colditz Lage und Besuch

Colditz liegt im Landkreis Leipzig, also in Westsachsen an der Zwickauer Mulde. Ja wir empfehlen immer noch oder gerade jetzt  Besuche in Sachsen auch nach den Ergebnissen der Europawahl und Kommunalwahl 2019. 

Von uns ganz im Osten Sachsens, direkt an der Grenze zu Polen, sind es 150 km Entfernung. Wir sind diesmal wieder mit dem Auto gefahren, da die Anbindung an Bahn und Bus etwas kompliziert ist und zeitlich nicht gepasst hätte für uns. Da ist auf jeden Fall noch Luft nach oben im Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs.

Das Schloss Colditz befindet sich mitten in der Kleinstadt Colditz die mit ca. 8600 Einwohner eine kleine beschauliche Stadt. Erstaunlicherweise eine Stadt in der ausgesprochen gut Englisch gesprochen wird und auch viele Speisekarten, Wegbeschreibungen und Ähnliches immer auch auf Englisch zu finden sind, warum das so ist, erfahrt ihr gleich!

kleine gemütliche Stadt Colditz

Jugendherberge im Schloss Colditz

Der Eingang zur Jugendherberge

Seit 2007 befindet sich im Schloss die Europa Jugendherberge.

Wer bei Jugendherbergen immer noch an Klassenfahrten denkt und an Mief, Doppelstockbetten und Gemeinschaft Duschen und Toiletten, liegt völlig falsch! Denn heute sind die Jugendherbergen modern, gut ausgestattet und auch nicht nur für Jugendliche gedacht, sondern für wirklich alle geeignet egal ob Familien oder Rentner. Wir hatten im Schloss Colditz eines von drei Familienzimmern, die viel Platz bieten und die alles bietet, was man als Familie braucht, es sind Hochstühle vorhanden und auch Babybetten kann man bekommen wenn nötig, das brauchen wir nun ja nicht mehr.

Die Zimmer sind  ausgestattet mit einem Raum mit  Doppelbett und einem Raum mit einem Doppelstockbett, ahh da ist es also doch wieder das Klischee. Dazu ein eigenes Bad mit Dusche und WC. Also alles was man braucht für eine Übernachtung. Naja eine Wifi Möglichkeit wäre nicht schlecht, aber eine gute Möglichkeit für Digitaldetox.

Das Essen war ausgesprochen lecker und mit viel Liebe gemacht und Wünsche wurden versucht immer zu erfüllen. Vor allem das Frühstücksangebot hat mich wirklich überrascht, viel Obst, eine große Auswahl an Müsli und Cornflakes, da habe ich schon in einigen Hotels schlechter gefrühstückt. 

Es gibt genügend Sitzmöglichkeiten draußen ob auf der Terrasse oder auf dem Schlosshof, wo die Kleinen sich auch gut austoben können.

Die Jugendherberge hat einen sehr guten, gepflegten Eindruck bei uns hinterlassen und wir können einen Aufenthalt dort nur empfehlen.

Eingang zum Schloss Colditz

Geschichte des Schloss Colditz

Das Schloss beherbergt nicht nur die Jugendherberge, sondern auch noch die Landesmusikakademie und ein Museum. Denn das Schloss hat eine bewegte Geschichte. In England kennt das Schloss übrigens jedes Kind.

1046 wird es das erste Mal erwähnt, die Besitzer wechselten öfter und irgendwie verfiel das Schloss. Im 15. Jahrhundert begann man mit dem Wiederaufbau der Anlage. Nach einem Brand 1504 durch Brandstiftung, bei dem große Teile von Colditz mit dem Schloss vernichtet wurden. Erst 1577 begann man eine grundsätzliche Änderung und Erweiterung.

Im 18.Jahrhundert wurde das Schloss für soziale Zwecke genutzt vom Staat. Es wurde ein Armenhaus und später ein Irrenhaus. 

1933 – 1934 wird im Schloss ein Schutzhaftlager eingerichtet, von wo die Gefangenen in Konzentrationslager kamen. 1934 waren 600 Antifaschisten eingesperrt.

1939 – 1945 Das Schloss wird Gefangenenlager für alliierte Offiziere aus Großbritannien, dem Commonwealth, Frankreich, Belgien, Holland und Polen. Das Lager bekommt die Bezeichnung: „Oflag IVC“. Ein Lager welches nach außen hin so geführt wurde, das es als Vorzeigeobjekt galt ,wo die Genfer Konventionen eingehalten wurden. Sport, Musik, Theater gehörte zum Alltag der Gefangenen. Wegen der Lage auf dem Felsen, Stacheldraht, Flutlicht und Wachposten galt das Gefangenenlager als ausbruchsicher.

Es gelangen 30 Fluchten von 300 Versuchen. Jede Nation hatte einen Fluchtoffizier, für die Briten war es Pat Reid, der später ein Buch schrieb: The Colditz Story. Es war sozusagen eine Katz- und Mausspiel mit den Fluchtversuchen. Eine Art der Freizeitgestaltung, was dem hohen Bildungsstand der Gefangenen geschuldet war und auch das keine ernsthaften Konsequenzen aus gescheiterten Fluchtversuchen erfolgte. Sie waren sehr einfallsreich, so wurden Puppen gebastelt die beim täglichen Zählappell hochgehalten wurden und damit Fernbleiben von Insassen nicht auffiel. Es wurde zum Beispiel auch ein Glider gebaut.

Die gelungenen Fluchten und Fluchtversuche, wurden wie in Deutschland üblich, ordentlich dokumentiert und von einem Fotograf fotografiert, also die Versuche wurden für die Fotos direkt nachgestellt. Diese Fotos kann man alle im Fluchtmuseum, welches sich im Schloss Colditz befindet, sehen. Wirklich ein interessantes Museum.

Die Fluchten und die bekannten Insassen des Lagers, Churchills Neffe und auch der Neffe des englischen Königs befanden sich dort führten genauso wie viele Bücher und Filme über das Schloss, dazu das es im englischsprachigen Raum viel bekannter ist, wie in Deutschland und das ist auch die Erklärung für die guten Englischkenntnisse des kleinen Städtchens, denn es kommen viele englische Touristen zu Besuch.

Eingang zum Teil des Schlosses wo das Gefangenenlager war und das heutige Fluchtmuseum zu finden ist

1945 – 1946  wird das Schloss Sammelstelle für enteignete Guts- und Großgrundbesitzer und ihre Familien.

1946 – 1996 Das Schloss wird  Krankenhaus mit Hals-, Nasen- Ohren- und Augenstation, internistisches Krankenhaus sowie OP und Pflegestation mit etwa 400 Patientenbetten.

1996 Gründung der Gesellschaft Schloss Colditz e.V. 

1997-2005 aufwendige Rekonstruktion und Renovierungsarbeiten

 

Es ist also wirklich eine abwechlungsreiche Geschichte die das Schloss Colditz hinter sich hat und macht es dadurch sehr interessant und wird von vielen Touristen besucht. Und das mit den englischen Sprachkenntnissen wünsche ich für viele Orte in Deutschland.

Im Schloss befindet sich seit 2017 auch ein Gedenkort für die Opfer der frühen „Euthanasie“– Morde 1938/39. 84 Matratzen in Beton gegossen findet man im Kellergewölbe des Schlosse zur Erinnerung an 84 Psychiatrie Patienten die dort in einem Pflegeheim untergebracht waren und durch fehlende Behandlung von Krankheiten und wenig Essen dort starben. 

Ein Ort der einen wirklich berührt!

Fazit des Aufenhalts auf Schloss Colditz

Die Jugendherberge können wir nur herzlich empfehlen und die Lage in diesem interessanten Schloss mit all seiner Geschichte macht einen Aufenthalt wirklich interessant. 

Gerade die heutige Nutzung durch die Jugend und die Kultur ist ein schönes Bild, wie ein Haus mit auch dunkler Geschichte wieder mit Leben gefüllt wird und als Zeichen für Menschlichkeit und Austausch von Kultur steht!

Ausflugsziele von der Jugendherberge aus:

Da wir an einem wirklich heißem Wochenende in der Jugendherberge waren, haben wir gar nicht soviele Ausflüge gemacht.

Damit bietet sich die Lage von Colditz zu so einigen Erlebnissen an.

Wir waren im Waldbad Colditz, ein Freibad was sehr zu empfehlen ist! Sehr gepflegt vor allem auch die Umkleideräume und Toiletten und auch die Becken mit großer Rutsche oder auch das Kleinkindbecken. Wir bekamen gerade Nr.4 kaum aus dem Wasser.

Am Sonntag fuhren wir,da das Wetter nicht mehr so heiß war zum Freizeitpark Belantis,den kannten wir schon von einem Besuch vor her und genossen das es sehr leer war an diesem Tag.

 

Wie sind eure Erfahrungen mit Jugendherbergen? Nutzt ihr sie als Unterkunft für den Familienurlaub oder eher nicht?

 

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