Altglas-Review: Maginon 28-200 4-5.6

Unter den alten analogen Objektiven gab es nicht nur welche mit einer Festbrennweite, sondern es gab auch schon Zoomobjektive. Allerdings haben diese in der Regel keinen besonders guten Ruf. Gerade sogenannte Super-Zoom-Objektive werden oft spöttisch als Suppen-Zoom bezeichnet. Allerdings nicht weil sie gut schmecken, sondern weil sie eher trübe und unscharfe Bilder liefern sollen. Ich bin neulich über so ein Objektiv gestolpert und wurde direkt neugierig. 

Das Maginon 28-200 an der Kamera

Im Internet liest man viel und nicht jeder Information sollte man wirklich trauen. Fragt doch mal einen Fußballfan was er von der Leistung der gegnerischen Mannschaft hält. Deshalb ist es oftmals besser man probiert vieles lieber selber aus und sammelt eigene Erfahrungen. Da das Maginon 28-200 gerade mal 19 Euro kostete, verlief der Test auch recht schmerzfrei.

Ich fand im Internet nur sehr spärliche Informationen zu der Firma Maginon in Verbindung mit Objektiven und rein gar nichts über dieses Objektiv. Maginon war oder ist kein Hersteller, sondern nur ein Vertrieb. Sie haben ihre Produkte nur billig von anderen Firmen produzieren lassen. Ausschussware, Überproduktion und ähnliches soll dort vertrieben worden sein. Allerdings habe ich nur ältere Diskussionen in verschiedenen Foren verfolgt und kann diese Informationen nicht bestätigen. Es gibt eine Firma mit dem Namen Maginon, die heute Elektronikwaren verkauft. Ob es sich um die selbe Firma handelt weiß ich nicht. Auf dem Objektiv selber taucht der Name allerdings gar nicht auf. Das Objektiv wurde vermutlich in der 90ern hergestellt. Mehr konnte ich darüber nicht erfahren.

Bei einer Brennweite von 28-200 Millimeter wird eigentlich alles abgedeckt, was man auf einer Reise oder einer Städte-Tour so braucht. Vom Weitwinkel bis zum Super-Tele-Bereich ist alles dabei und man bräuchte beim spazieren eigentlich kein Objektiv mehr wechseln. So die Theorie, allerdings machte mir das Gewicht und die Größe einen Strich durch die Rechnung. Stolze 800! Gramm wiegt dieses Gerät und hat eine Länge von 14-16 Zentimetern und da ist noch nicht einmal eine Gegenlichtblende dabei. Kamera und Objektiv kommen auf ganze 1500 Gramm. Wer will schon mit so einem Klopper gemütlich flanieren gehen.

Die Haptik

Abgesehen vom Gewicht, lässt es sich mit dem Maginon 28-200 wirklich gut arbeiten. Das Objektiv ist ein Schiebe-Zoom. Das heißt, dass man zum Zoomen dem Fokusring rein oder raus schiebt. Dadurch kann man zoomen und fokussieren mit nur einer Handbewegung. Der Fokusring selber ist so breit, dass man ihn selbst im Winter mit Fäustlingen gut bedienen könnte. Anders sieht es mit dem Blendenring aus, dieser befindet sich sehr nah an der Kamera und ist recht schmal. Die Blende lässt sich von f/4 – f/22 in sechs Stufen einstellen, allerdings fehlt jegliche Markierung so das man nicht erkennen kann, welche Blende gerade eingestellt ist. Hier muss man einfach beim Drehen die Stufen mitzählen.

Der Blendenring und der Makro-Ring befinden sich sehr nah an der Kamera

Das Maginon verfügt wieder über eine Springblende, so wie schon das Weltblick 135 f2.8. Allerdings fehlt hier der Schalter für die manuelle Bedienung. Also muss man den Stift an der Rückseite des Objektives wieder fixieren, um die Blende einstellen zu können. Diesmal verwendete ich Sekundenkleber und war überrascht wir gut das hält.  

Blick auf die Peterskirche

Sehr dicht neben dem Blendenring befindet sich ein weiterer Ring, der mit MACRO beschriftet wurde. Dieser Ring verringert die Naheinstellgrenze, welche immerhin 1,80 Meter beträgt. Allerdings kann man dann nicht mehr bis unendlich fokussieren. Diese Makrofunktion ist wirklich praktisch. Ich verwendete sie gerne an meiner Glaskugel

Die Bildqualität

Um es kurz zu machen: Es ist furchtbar! Die Schärfe wäre ja zumindest noch akzeptabel. Keine Spitzenleistung, kein WOW-Effekt, aber ausreichend für ein paar gute Schnappschüsse. Allerdings nur in der Mitte! Am Rand fällt die Schärfe sehr stark ab. Das ist nicht ungewöhnlich bei alten Objektiven und hängt mit dem Winkel zusammen, mit welchen das Licht auf den Sensor trifft. 

Deutlich sieht man wie unscharf das kleine gelbe Schild rechts oben in der Ecke ist.

Manuelle Objektive wurden für alte Filmkameras optimiert und da spielt es wohl keine Rolle, wenn das Licht schräg auf das Negativ fiel. Bei einem Sensor einer Digitalkamera verursacht das aber Unschärfe. 

Die Negative der alten Kleinbildkameras entsprechen der Größe heutiger Vollformat-Sensoren. Verwendet man diese Objektive an kleineren Sensoren, wie zum Beispiel an einem APS-C- Sensor, tritt die Unschärfe am Rand meist gar nicht auf. Bei dem Maginon ist sie allerdings deutlich zusehen.

Das ist aber noch nicht genug, während die linke Bildhälfte noch einigermaßen scharf ist, wirkt die rechte Bildhälfte eher schwammig. Das deutet darauf hin, dass die Linsen nicht richtig zentriert wurden oder beim Schleifen nicht richtig ausbalanciert wurden. Also kann man hier von einer Billigproduktion oder von Ausschuss sprechen. Schade eigentlich!

Außerdem neigt es zu starken Chromatischen Aberrationen. Kontraste und Farben sind auch nicht wirklich toll. Das kann man zwar alles korrigieren, aber ich musste einige Regler in darktable bewegen, um zu einigermaßen brauchbaren Ergebnissen zu kommen. 

Fazit:

Unbrauchbar! Tolle Mechanik, gute Haptik und die Sache mit der Makro-Funktion helfen leider nicht, wenn die Bildqualität nicht stimmt.

Allerdings habe ich wieder eine Menge gelernt! Meine Neugierde wurde gestillt und ich besitze jetzt einen wirklich ungewöhnlichen Briefbeschwerer. Wenn man aber wissen will, was eine gutes Objektiv ist, muss man auch mal ein schlechtes verwendet haben. Für die Glaskugel-Fotografie werde ich es vielleicht weiterverwenden, denn hier kommt es nicht so sehr auf die Schärfe an und Zoom+Makro erleichtern mir hier die Arbeit. Allerdings nur, wenn ich auch wirklich vorhabe solche Bilder zu machen. Denn 800 g Objektiv und 400 g Glaskugel schleppe ich bestimmt nicht einfach so mit mir rum.  

Während die rechte Seite schar ist, ist linke Seite unscharf.

Der große Brennweitenbereich ist wirklich verlockend. Gerade wenn man mit der Familie unterwegs ist, ist das häufige Wechseln der Objektive eher lästig und vielleicht finde ich auch noch irgendwann ein manuelles Reiseobjektiv mit einer deutlich besseren Qualität.

 

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